Digitale Angebote stillen den Lesehunger trotz wechselnder Corona-Einschränkungen

Stadtbücherei legte Tätigkeitsbericht 2021 vor

Auch im zweiten Pandemiejahr profitiert die Stadtbücherei Heidelberg davon, frühzeitig den Weg zur „Hybriden Bibliothek“ eingeschlagen zu haben. Mit der Verbindung von digitalen und analogen Angeboten und neuen Veranstaltungsformaten konnte sie ihren Service aufrechterhalten und den Nutzerinnen und Nutzern ein verlässlicher Partner bleiben. Das geht aus dem Tätigkeitsbericht 2021 der Stadtbücherei hervor, der am 17. Februar 2022 im Ausschuss für Kultur und Bildung vorgestellt wurde.

„Die Corona-Pandemie hat in vielen Lebensbereichen den Bedarf an digitalen Angeboten schlagartig erhöht. Die Stadtbücherei verfolgt bereits seit Jahren einen hybriden Ansatz, der es uns ermöglichte, flexibel auf die neue Situation zu reagieren“, sagt die Direktorin der Stadtbücherei, Christine Sass: „Trotz vielfach wechselnder Zugangsbeschränkungen konnten wir deshalb unser Angebot stabil aufrechterhalten. Mit dem neuen Bücherbus und dem Medien- und Digitallabor machen wir auch 2022 einen weiteren Schritt nach vorn.“

Hohe Nachfrage nach digitalem Medienangebot – E-Payment eingeführt

Das Jahr 2021 begann holprig: Die ersten neun Wochen war die Stadtbücherei geschlossen, der Bücherbus musste sogar 14 Wochen pausieren. Im weiteren Verlauf des Jahres galt es, wechselnde Zugangsbeschränkungen umzusetzen. Die Schließzeit wurde mit einem Abholservice für Medien überbrückt. Per Telefon oder Internetformular konnten Medien bestellt und in der Regel am nächsten Tag in der Poststraße abgeholt werden. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach digitalen Medien, wie bereits im Vorjahr, deutlich an. Mittlerweile machen die digital entliehenen Medien ein Fünftel der Gesamtausleihen aus. Zum digitalen Angebot zählt auch der im November 2020 gestartete Streamingdienst „filmfriend“ mit einem ausgewählten Filmangebot für alle Altersgruppen als Alternative zu kommerziellen Anbietern: 7.530 Filme wurden im vergangenen Jahr ausgeliehen.

Um den digitalen Nutzerinnen und Nutzern eine Möglichkeit zu geben, die Büchereigebühren bequem von zu Hause entrichten zu können, führte die Stadtbücherei ein E-Payment-System ein. Neben den digitalen Angeboten wurden auch Brettspiele, Romane und ganz besonders die Kinder- und Jugendliteratur sehr häufig nachgefragt. Bei der Zahl der Gesamtausleihen setzt sich leider auch ein Trend aus dem Vorjahr fort: Mit insgesamt 875.180 Ausleihen liegt der Wert zum ersten Mal seit 2009 unter einer Million. Doch die Stadtbücherei ist zuversichtlich, dass sich dieser Trend wieder umkehrt, denn auch 2009 befand sich die Stadtbücherei in einer Ausnahmesituation: Damals wurde die Hauptstelle in der Bergheimer Straße umgebaut und modernisiert, die Ausleihe war für einige Monate in einen Container vor dem Gebäude umgelagert.

Bestand der Stadtbücherei stets aktuell

Auch der physische Bestand ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 2.000 Medien auf insgesamt über 228.000 angewachsen. Die Stadtbücherei Heidelberg legt großen Wert auf Aktualität, so werden rund elf Prozent des Gesamtbestandes jährlich erneuert. Bestseller stehen in der Regel schon am Erscheinungstag zur Ausleihe bereit. Mit Medientipps digital auf der Homepage und auf Instagram sowie mit Themenpräsentationen im ganzen Haus unterstützt die Stadtbücherei bei der Auswahl aus ihrem umfangreichen Angebot. Elektronische Medien bietet die Stadtbücherei im Verbund mit zurzeit 42 Kommunen über den Verein Metropol-Card-Bibliotheken Rhein-Neckar e.V. und durch die gemeinsame Plattform für digitale Medien „metropolbib.de“ an.

Für neuen Bücherbus wird der Fahrplan optimiert – Medien- und Digitallabor einsatzbereit

Der mehrwöchige Lockdown, technische Probleme und Personalmangel haben in Summe zu einer deutlichen Reduzierung beim Einsatz des Bücherbusses geführt. 2021 war die mobile Entleihstation nur an 129 Tagen im Stadtgebiet unterwegs – 2019 waren es noch 234 Tage. Abhilfe sollen zwei Neuerungen schaffen: Nach langer Planungs- und Vorbereitungsphase hat die Stadtbücherei im Sommer 2021 einen neuen Bücherbus bestellt. Er wird, wie alle Fahrzeuge dieser Art, als Sonderanfertigung für die Stadt gebaut und ausgestattet. Der vereinbarte Liefertermin im Juli 2022 wird wegen Materialengpässen bei Automobilzulieferern wahrscheinlich nicht eingehalten werden können. Mit der Inbetriebnahme des Fahrzeugs wird das Haltestellenkonzept für den Bücherbus überarbeitet und angepasst. Der Ausschuss für Kultur und Bildung beauftragte die Stadtbücherei im November 2021 zudem, ein Konzept für ortsfeste Zweigstellen unter Einbeziehung des Bücherbusses zu erstellen. Heidelberg ist die einzige Großstadt in Baden-Württemberg, die das gesamte Stadtgebiet ausschließlich mobil versorgt.

Das mobile Medien- und Digitallabor, das künftig unter dem Namen „BibLab“ unterwegs sein wird, ist einsatzbereit. Sobald es Zeit- und Hygienepläne in den Schulen zulassen, bietet das farbenfrohe Elektrofahrzeug lehrreiche digitale Workshops für unterschiedliche Klassenstufen an und vermittelt das nötige Wissen, um sich sicher und souverän in der digitalen Welt zu bewegen.

Digitale Formate ermöglichen mehr Veranstaltungen

Die Veranstaltungsarbeit wurde auch 2021 teilweise vor Ort und digital durchgeführt. Das „internationale Erzählfest“ mit einer Jurte in der Schwanenteichanlage entführte rund 80 Kinder in die Welt der Fantasie. Die Deutsch-Kurpfälzische Geschichtenzeit auf dem YouTube-Kanal der Stadtbücherei vermittelte auf originelle Weise Mundart und Regionalkultur. Ein Höhepunkt des Jahres war die landesweite Eröffnungsfeier „Frederick Tag 2021“ in der Stadtbücherei. Ziel der landesweiten Aktion ist es, die Freude am Lesen bei Kindern zu wecken.

Die entspannte Pandemielage in den Sommermonaten erlaubte es, sowohl den Preis der Heidelberger Autorinnen und Autoren als auch den Clemens-Brentano-Preis und den Ginkgo-Biloba-Preis für Lyrikübersetzung in der Stadtbücherei zu verleihen. Mit einem Mix aus 20 Live- und sechs Online-Veranstaltungen war die Stadtbücherei als Ort der Literatur erlebbar. Trotzdem wird es eine Schwerpunktaufgabe für die Zeit nach der Pandemie werden, die Stadtbücherei wieder als einen außerschulischen Lernort zu etablieren. Denn viele Veranstaltungen und Aktionen waren aufgrund der Corona-Einschränkungen auch nicht möglich – beispielsweise Gruppenführungen für Schulklassen, Erstsemestertage oder Sonderaktionen im Rahmen von Kulturveranstaltungen. Das Fehlen dieser Werbemaßnahmen zeigt sich auch in einem deutlichen Rückgang der Besucherzahlen: Die Zahl der aktiven Nutzer und Nutzerinnen ist um 24 Prozent niedriger, die Zahl der Besucherinnen und Besucher vor Ort sogar um rund 60 Prozent niedriger als noch 2019. Zur Bekämpfung der Pandemie stellte die Stadtbücherei ab Dezember 2021 den Hilde-Domin-Saal für den Betrieb eines niederschwelligen Impfangebotes zur Verfügung. Zu jeder Impfung gab es einen Schnupperkarte für das Angebot der Bücherei.

Quelle: Stadt Heidelberg

Related posts

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Informationen...

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen