Erster Bürgermeister Specht schreibt der Oberbürgermeisterin von Haifa

Anbei der Brief im Wortlaut:
 
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
 
mit großer Sorge verfolgen wir die Nachrichten, die uns aus Israel und Haifa im Speziellen erreichen. In Vertretung des Oberbürgermeisters, der sich derzeit einer medizinischen Behandlung unterziehen muss, des Gemeinderates und der Stadtverwaltung Mannheim spreche ich Ihnen und den Bürgerinnen und Bürgern unserer Partnerstadt Haifa unsere Solidarität in dieser schwierigen Zeit aus. Wir wissen uns mit der übergroßen Zahl der in Mannheim lebenden Bürgerinnen und Bürger einig, wenn wir entschieden jegliche Äußerungen und Manifestationen von Gewalt verurteilen. Selbstverständlich anerkennen wir hierbei ausdrücklich das Recht des israelischen Staates, sich gegen Raketenbeschuss und andere Formen von Gewalt gegen seine Zivilbevölkerung und sein Militär zur Wehr zu setzen.
 
Auch in unseren Städten bleibt der Konflikt nicht ohne Reaktionen. Angriffe gegen jüdische Einrichtungen oder antisemitische Äußerungen werden hierbei durch uns entschieden verurteilt. Der Schutz jüdischer Einrichtungen ist stets eine wichtige staatliche Aufgabe und genießt in diesen Tagen höchste Priorität.
 
Wir wissen, dass aufpeitschende Rhetorik, gleich von welcher Seite, uns in unseren von religiöser und kultureller Vielfalt geprägten Städten gerade nicht weiterhilft. Wir haben die Aufgabe, ein friedliches Zusammenleben in den Stadtquartieren zu ermöglichen. Daher betonen wir das Verbindende und suchen den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Gerade in Krisenzeiten zehren wir in den Städten von dem Vertrauenskapital, das wir in den vergleichsweise ruhigen Zeiten aufbauen konnten.
 
Gerade weil wir uns den Menschen in Haifa so verbunden fühlen, erfüllt es uns mit Sorge, dass der Konflikt zu einer vertieften Spaltung in der Stadtgesellschaft führt. Wir hoffen sehr, dass das Vertrauen, das die Stadt Haifa seit vielen Jahren durch eine aktive Förderung des interkulturellen und interreligiösen Dialog systematisch aufgebaut hat, genutzt werden kann, um Brücken zu bauen.
 
Das Leo Baeck Education Center Haifa teilte aktuell mit: „Wir in Haifa wissen, wie man in unseren Schulen und in den Vierteln der Stadt zusammenlebt. Daran sollten wir uns erinnern, auch jetzt, wo die Flammen größer werden. Bald werden die Flammen vergessen sein und wir alle werden bleiben, um unser Leben gemeinsam fortzusetzen.“
 
Ich wünsche Ihnen in dieser schweren Zeit persönlich alles Gute. Wir alle hoffen, dass die aktuellen Kampfhandlungen so bald als möglich beendet werden und die Menschen in Haifa wieder in Sicherheit leben können. Die schwere, aber unverzichtbare Aufgabe der innergesellschaftlichen Aussöhnung wird jedoch mit dem Ende der Kampfhandlungen nicht erledigt sein. Diese Aufgabe wird vor allem auf lokaler Ebene in den Städten und Quartieren bearbeitet werden müssen. Hierbei werden wir unsere Partnerstadt Haifa immer unterstützen.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Christian Specht

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