Forstbezirk Odenwald begrüßt acht engagierte neue Lehrlinge in schwieriger Zeit

Forstwirt/in – ein verkannter Beruf auf dem Weg in eine neue Zeit

Acht neue Azubis beginnen die Ausbildung zum Forstwirt bei ForstBW im Bezirk Odenwald
Alle Fotos: Forst Baden-Württemberg (AöR)

Im staatlichen Forstbezirk Odenwald liegen drei Ausbildungsstätten von ForstBW mit insgesamt 24 Ausbildungsplätzen: der Stützpunkt in Schwarzach (12), die Ausbildungsstelle Kriegsmühle bei Neckargemünd (6) und die Ausbildungsstätte Ahorn-Buch (6) im gleichnamigen Ort. Acht weitere junge Männer wollen sich ab 2020 zu Forstwirten ausbilden lassen. „Ich denke, dass mir die Arbeit in der Natur mit viel körperlicher Bewegung liegt und ich mein handwerkliches Können in diesem Job vertiefen kann“, äußert einer der Neueinsteiger seine Vorstellungen. Insgesamt führen acht Ausbildungsmeister und ein Ausbildungsgehilfe die Berufsanwärter durch die drei- oder zweijährige Ausbildung. Am Stützpunkt in Schwarzach ist dies unter anderen Jonathan Bube. In der Kriegsmühle ist Stefan Bellm federführend für die Vermittlung des Wissens verantwortlich, während in Ahorn-Buch Stephan Brameier das Sagen hat.

Der Beruf des Forstwirts/der Forstwirtin ist erst seit den 1970er Jahren staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Heutzutage erfolgt die Ausbildung im dualen System, d.h. am Betriebsort – dem Wald – und an der forstfachlichen Berufsschule. Von letzteren gibt es in Baden-Württemberg zwei: in Itzelberg bei Königsbronn und in Gengenbach im Schwarzwald. Aktuell bildet ForstBW in allen drei Lehrjahren rund 250 junge Menschen zu ForstwirtInnen aus; nur ein kleiner Teil davon sind Frauen.

In den zurückliegenden 20 Jahren hat sich das Berufsbild in vielen Bereichen sehr stark verändert, obwohl die eigentliche Holzernte mit der Motorsäge noch einen ganz erheblichen Anteil am Tagesgeschäft hat. Die Tätigkeit ist mit den Jahren immer komplexer und damit fordernder geworden. Die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald sind deutlich gestiegen. Für ForstwirtInnen äußert sich das beispielsweise in einer differenzierteren Waldbewirtschaftung, die, um z.B. dem Natur- und Artenschutz mehr Raum zu geben, viel stärker auf einen vielschichtigen Waldaufbau mit mehr Totholz setzt. Mehr Struktur bedeutet für die Waldarbeitenden gleichzeitig weniger Sicht und damit mehr Gefahr bei der Holzernte. Diesem Umstand begegnen sie mit verbesserter Technik (z.B. Sprechfunk), aber vor allem mit vorausschauender Teamarbeit. Auf diese Weise versuchen sie auch – in Kombination mit öffentlichkeitswirksamer Kommunikation, dem wachsenden Publikumsverkehr der Erholungssuchenden herr zu werden, um konflikt- und unfallfrei ihrer Arbeit nachgehen zu können. Ausbildungsmeister Jonathan Bube stellt fest: „Auch die Digitalisierung hat in der Forstwirtausbildung stark zugenommen. Sowohl im Unterricht als auch bei der praktischen Waldarbeit sind digitale Hilfsmittel nicht mehr wegzudenken.“ Das sei zwar oft eine Arbeitserleichterung, gleichzeitig betont Brameier, „dass immer größere Forstreviere den Anteil eigenverantwortlicher Arbeit der ForstwirtInnen stetig erhöhen.“

Moderne Baustellenkommunikation schützt Waldbesuchende vor Gefahren!

Der Beruf des Forstwirts/der Forstwirtin ist in den ländlichen Regionen Baden-Württembergs kein unbekannter. Immerhin ist das Bundesland zu fast einem Drittel mit Wald bedeckt, der in weiten Teilen von verschiedenen Waldbesitzenden selbst oder entsprechendem Personal bewirtschaftet wird. Heimatnähe und die fachliche Nähe zum elterlichen Betrieb überzeugen viele Junge, sich für diesen Ausbildungsweg zu entscheiden. Stephan Brameier vermutet: „Der Forstwirt-Beruf gilt heutzutage als actionreicher Job, den nicht jeder macht.“ Naturgemäß zieht das Image vom „harten Kerl“ vor allem junge Männer an. Die stetige Verbesserung an Technik und Maschinen kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass für viele forstwirtschaftliche Tätigkeiten körperliche Kraft vonnöten ist. So befindet sich im Forstbezirk Odenwald derzeit nur eine junge Frau in der Forstwirt-Ausbildung.

Vor dem Hintergrund der aktuell sichtbar werdenden klimabedingten Waldschäden merkt Ausbildungsmeister Bellm an, „dass sich in manchen Regionen der Wald in sehr kurzer Zeit massiv verändern wird und auf andere Baumarten umgesattelt werden muss, viel schneller als ursprünglich angenommen.“ Alle drei Meister sind sich einig darin, dass neben dem Waldumbau auch eine andere Bewertung der Waldfunktionen in den Blick genommen werden muss. „Die Erhaltung des Waldes wird seine wirtschaftlichen Leistungen in den Hintergrund rücken“, ist sich Brameier sicher. Bellm und Bube ergänzen: „Dadurch wird sich das Spektrum der Forstwirttätigkeit erweitern. Naturschutz, Öffentlichkeitsarbeit und Jungwaldpflege werden stark an Bedeutung gewinnen und den nächsten Forstwirtgenerationen ganz andere Fähigkeiten abverlangen.“

Umso bedeutsamer ist es, den Ausbildungsberuf Forstwirt/in auf dem neuesten Stand zu halten – „was ForstBW nach wie vor ein großes Anliegen ist“, wie der Stützpunktleiter Nils Gütle unterstreicht. Seit dem 1.1.2020 ist ForstBW als größter Waldbesitzer für die Pflege von 320.000 Hektar Staatswald im Land zuständig. Für die nachhaltige Bewirtschaftung dieser Wälder braucht der Betrieb gut ausgebildete Fachleute, denn die rasanten Veränderungen durch die Klimaerwärmung sind derzeit eine der größten Herausforderungen der Forstwirtschaft.

Über ForstBW

Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 01.01.2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 320.000 ha Staatswald – das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs- und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei.

 

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