Heidelberg: Corona-Pandemie bremst den Ausbildungsmarkt

Weniger Ausbildungsstellen und sinkende Bewerberzahlen

Symbolfoto: MANA

Die Corona-Pandemie trifft den Arbeitsmarkt in Heidelberg hart – wenn auch nicht so stark wie in anderen Städten in Baden-Württemberg. Davon betroffen ist auch der Ausbildungsbereich, vor allem im Hinblick auf die Ausbildungsstellen in diesem Herbst: Im vergangenen Jahr wurden der Agentur für Arbeit Heidelberg noch 1.239 Ausbildungsplätze gemeldet. Zum Ausbildungsbeginn im September 2020 konnten sich Bewerberinnen und Bewerber nur noch auf 956 Stellen bewerben. Das bedeutet einen deutlichen Rückgang um fast ein Viertel. Auf jede Bewerberin und jeden Bewerber kommen damit im Durchschnitt noch 1,8 Ausbildungsplätze. Ein Jahr zuvor standen pro Bewerberin und Bewerber noch 2,3 Ausbildungsplätze zur Verfügung.

 

Im Vergleich zum Vorjahr wurden in Heidelberg zudem weniger Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsstellen verzeichnet. Bewarben sich im September 2019 noch 542 Menschen um einen Ausbildungsplatz, sank die Zahl nun um 2,6 Prozent auf 528. Dieser Rückgang hängt – neben den Auswirkungen der Corona-Krise – auch mit der geringeren Zahl an Schulabgängern zusammen. Auch künftig werden weniger Schulabsolventen erwartet. Im Jahr 2019 wurden 252 Bewerberinnen und Bewerber erfolgreich auf Ausbildungsstellen vermittelt, in diesem Jahr bis September lediglich 186. Für 14 Bewerberinnen und Bewerber konnte noch keine passende Ausbildungsstelle gefunden werden – trotz der Corona-Krise nur acht mehr als im Vorjahr. Die Berufsberater der Agentur für Arbeit haben mit diesen Jugendlichen in Beratungsgesprächen einen Berufswegeplan erarbeitet und begleiten sie auf ihrem weiteren Weg.

 

„Jungen Menschen weiterhin gute berufliche Perspektive bieten“

 

„Die aktuelle Situation ist für viele wirtschaftlich extrem schwierig, insbesondere für freie Künstlerinnen und Künstler, Minijobber und andere“, sagt Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner und ergänzt mit Blick auf den Ausbildungsbereich: „Wir schauen uns die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt genau an und stehen dazu mit unseren Partnern von der Agentur für Arbeit, den Kammern und aus der Wirtschaft in engem Austausch. Auch in einer Universitätsstadt wie Heidelberg bilden hervorragende Ausbildungsangebote das Rückgrat der Wirtschaft: Handel, Handwerk, Industrie und der Dienstleitungssektor brauchen diesen qualifizierten Nachwuchs. Deswegen setzen wir alles daran, jungen Menschen auch weiterhin eine gute berufliche Perspektive zu bieten. Die Stadt Heidelberg fördert gezielt den Ausbildungsmarkt, etwa mit dem Ausbildungshaus. Zudem gehen wir als starker Ausbildungsbetrieb voran und bieten Jahr für Jahr vielen jungen Menschen eine berufliche Zukunft in der Stadtverwaltung.“

 

„Wir geben keinen Jugendlichen verloren“, sagt Klaus Pawlowski, Chef der Agentur für Arbeit Heidelberg: „Unsere Berufsberatung ist mit innovativen Ideen und viel Engagement auch in schwierigen Zeiten stets an der Seite der Jugendlichen. Uns steht zudem ein breites Portfolio an Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung. So können wir Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, zum Beispiel über Einstiegsqualifizierungen, Berufsvorbereitungsmaßnahmen und vieles mehr ein passendes Angebot unterbreiten.“

 

Ausbildungsbetrieb Stadt Heidelberg

 

Trotz der Corona-Pandemie hält die Stadt Heidelberg weiter ihr breites Spektrum der beruflichen Ausbildung aufrecht: In diesem Jahr haben 59 Auszubildende und Studierende in 27 Berufen und dualen Studiengängen ihre Ausbildung in der Stadtverwaltung begonnen. Zum Herbst 2021 sind wieder rund 60 Ausbildungsplätze in 28 unterschiedlichen Berufen zu vergeben. Für einige Berufe wie zum Beispiel als Erzieherin/Erzieher, Gärtnerin/Gärtner, beim Theater und für zahlreiche duale Studiengänge können sich Interessierte noch bis 15. November 2020 bewerben. Für IT-Berufe und im Handwerk endet die Bewerbungsfrist später. Mehr Informationen und eine Übersicht über freie Ausbildungsplätze gibt es online unter www.heidelberg.de/ausbildung.

 

Agentur für Arbeit: Videoberatung, Podcast und „Berufsberatung to go“

 

Trotz der eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten während der Pandemie ist es den Berufsberaterinnen und -beratern der Agentur für Arbeit Heidelberg gelungen, mit neuen kreativen Formaten wie YouTube-Videos, einem eigenen Podcast und „Beratung to go“ unter freiem Himmel die Jugendlichen zu erreichen. Besonders die neu eingeführte Videoberatung begeisterte viele. Bei den Berufswünschen lag bei jungen Frauen die Medizinische Fachangestellte an erster Stelle, bei Männern der Kaufmann im Einzelhandel gefolgt vom Kfz-Mechatroniker. Während bei jungen Männern auch technische und handwerkliche Berufe wie Anlagenmechaniker oder Fachinformatiker weiter im Trend liegen, favorisieren junge Frauen kaufmännische Berufe oder auch Friseurin und Hotelfachfrau.

 

Petra Bölle, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Heidelberg, plädiert für eine klischeefreie Berufswahl: „Bei der Berufswahl sollten geschlechtsbezogene Klischees keine Rolle spielen. Jungs als Erzieher oder Pfleger und Mädchen in MINT-Berufen sollten alltäglich werden. Junge Menschen sollten sich trauen, ihren Interessen Vorfahrt vor Klischees zu geben und es einfach ausprobieren.“ Unter die Abkürzung „MINT“ werden Berufe aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gefasst.

 

Die meisten Ausbildungsstellen in 2020 wurden der Agentur für Arbeit Heidelberg für medizinische sowie zahnmedizinische Fachangestellte gemeldet. Dahinter lagen die kaufmännischen Berufe mit Kaufmann/-frau im Einzelhandel oder für Büromanagement, Bankkaufmann/-frau und Finanzassistentin/-assistent.

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