Humor ist auch immer wichtig

Marian Porwolik ist als Tagesvater in Weinheim ein Pionier – Im Interview äußert er sich zu den Aufgaben seiner Tätigkeit

(zg) Seit 25 Jahren arbeitet Marian Porwolik als Tagesvater in Weinheim und betreut vorwiegend Kinder im Alter von eins bis drei Jahren. Unterstützt wird er von seiner Ehefrau, die auch als Leiterin einer Kindertagesstätte tätig ist, und seinem Sohn, einem studierten Musiker. Er war einer der ersten, der eine Kindertagespflegestätte in Weinheim gründete und der einzige, der bis heute durchgehend seine Kindertagespflegestelle leitet.

Welche Wandlungen es in der Kindertagespflege seitdem gab, aber auch wie es ist, als Mann in diesem Berufsfeld zu arbeiten, wie Eltern darauf reagieren und was dieses Tätigkeitsfeld noch alles beinhaltet, auch davon erzählt Marian Porwolik im Interview. Die Tagespflegestelle für insgesamt neun Kinder ist in einem großen hellen und freundlichen Haus mit verwunschenen naturnahen Garten integriert.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Kindertagespflegestelle zu gründen?

Marian Porwolik: Nach dem Abitur habe ich 15 Jahre in einem ganz anderen Bereich gearbeitet und wollte mich auch beruflich verändern. Durch meine Frau, die als Erzieherin schon immer mit Kindern gearbeitet hat, sowie durch Gespräche, in denen ich viel über diese Arbeit erfahren konnte, habe ich den Mut gefasst und diese neue Herausforderung gewagt.

Kindertagespflege ist mehr als den ganzen Tag Spielen und Basteln. Welche Aufgaben, außer der Betreuung, gehören noch zu Ihrer Arbeit?

Wenn alle Kinder abgeholt wurden, kommt das Aufräumen, Saubermachen, Desinfizieren, dies ist gerade in der Corona-Zeit wichtig. Dann Büroarbeit, sowie die Vorbereitung für den nächsten Tag, Besprechen von Anmeldungen oder auch Besprechungen mit anderen Institutionen, wie dem Jugendamt, aktuell auch dem Gesundheitsamt; manchmal kommen auch Eltern, um sich unsere Tagespflegestelle anzuschauen.

Haben Sie Schwerpunkte in Ihrer Arbeit?

Musik und Natur sind uns sehr wichtig. Mein Sohn, der gemeinsam mit mir betreut, hat Musik studiert, aber auch ich musiziere sehr gerne. Wir haben in unserem großen Bewegungsraum auch eine Musikecke mit einem Klavier und Instrumenten.

Wir zeigen diese den Kindern, sie können sie auf Wunsch benutzen und ausprobieren; die Kinder lieben das. Das Zweite ist die Natur. Wir haben einen großen naturnahen Garten, vier Zwerghasen und Meerschweinchen.

Was war das schönste Erlebnis als Tagesvater?

Als Tagespflegestelle sind wir flexibel und können die Eltern auch einmal in anderen Zeiten bei der Betreuung unterstützen. So entsteht eine Verbundenheit mit den Familien. Einmal haben Eltern, die ihr Kind schon bei uns in Betreuung hatten, geheiratet und uns gefragt, ob das Kind dann an der Hochzeitsfeier abends bei uns übernachten könnte, womit wir natürlich einverstanden waren. Die Mutter stand am Abend in ihrem Hochzeitskleid inklusive Schleier mit der Kleinen vor der Tür. Das war sehr schön. Noch eine berührende Situation haben wir erlebt. Zum Beispiel hat eine Familie, deren Kind bereits bei uns in Betreuung war, ihr zweites Kind nach mir benannt. Sie nannten es Marian, was ja nicht so geläufig ist und meinten, dass es meinen Namen bekommen sollte mit der Aussage: Wir hoffen, dass es so wird wie du.

Was war die größte Herausforderung, vor der Sie bisher als Tagesvater standen?

Corona. Und alles, was damit zusammenhängt. Angst, die psychische Belastung, vor allem beim ersten Lockdown, wo man noch nicht wusste, was noch kommt, wie alles wird und wie lange das noch dauert. Aber auch viel, viel mehr Arbeit durch Desinfektion, Wäsche, Hygienemaßnahmen, Abstimmung mit Behörden. Wir hatten Gott sei Dank nur eine betroffene Familie, und aufgrund der Sorgsamkeit aller Beteiligten musste keine Schließung erfolgen. Aber Tagespflegepersonen haben sich untereinander auch telefonisch ausgetauscht. Leider ist die Situation noch immer nicht viel entspannter.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Der Beruf hält mich jung. Man hat immer mit jungen Menschen zu tun, den Eltern und Personen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. Da ist genauso der Fließbandarbeiter wie Ärzte, aber auch Künstler und Musiker; und ich genieße alle. Auch sind schon Kinder aus der ganzen Welt bei uns gewesen, die mit ihrer Familie hier leben. Wir hatten bereits Kinder aus 20 Nationen, zwei Kinder aus Japan, drei oder vier Kinder aus China, aus Uruguay, Ägypten, Brasilien, der Türkei und vielen anderen Ländern. Oft entsteht eine private Verbundenheit und interessante Kontakte.

Gibt es auch Dinge, die Sie an Ihrem Beruf ärgern?

Am meisten, wenn die Eltern grundlos unpünktlich sind, und das kommt leider öfter mal vor. In diesem Beruf muss man alles sehr gut planen und organisieren, sonst bringt eine Stunde Verspätung alles durcheinander. Ich versuche immer, sehr flexibel zu sein. Aber grundsätzlich ich bin mit unseren Eltern sehr zufrieden

Was wünschen Sie sich von Verwaltung und Kommune, damit Ihre Arbeit gut läuft?

Eigentlich bin ich ganz zufrieden. Die Zuschüsse durch die Stadtverwaltung sind natürlich eine große Unterstützung. Aber meine Kindertagespflegestelle ist auch nicht extra angemietet, da ist es ein bisschen einfacher. Allerdings bleiben trotzdem Nebenkosten und andere Kosten, wie für Büromaterial, Reinigungsmittel.

Sind Sie zufrieden mit der Bezahlung?

In der jetzigen Form ja – mit den Zuschüssen durch den Rhein-Neckar-Kreis sowie auch der Stadtverwaltung.

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, um Tagesmutter oder –vater zu werden?

Man sollte gerne mit Kindern zusammen sein. Und man braucht Ruhe, Geduld und viel Verständnis, auch für die Eltern. Und man sollte immer offen sein – auch mit den Eltern. (schmunzelt) Und sehr gut ist immer auch ein bisschen Humor. Eltern brauchen das immer. Humor ist immer wichtig – manchmal vergessen das die Menschen. Die Eltern kommen schon vor der Arbeit oft gestresst, oft ist es der Papa, der dann auch ausrichten muss, was die Frau ihm gesagt hat. Und da ist es immer wichtig, ein bisschen Humor zu haben oder lustig zu sein.

Was hat sich in der Betreuung gegenüber früher verändert?

Die Betreuungslänge. Früher sind die Kinder als Babys gekommen und meist dreieinhalb Jahre geblieben. Heute kommen Kinder meist mit einem Jahr und bleiben höchstens zwei Jahre. Die Betreuungszeit ist ein Jahr weniger, wir hatten früher nicht so oft einen Wechsel. Eine Veränderung findet man auch bei der Ernährung. Früher gaben die Eltern oft Gläschen oder ein Fertigprodukt mit. Heute geben viel mehr Eltern frische Produkte mit. Obst, Getränke und Mittagessen bekommen die Kinder in unserer Tagespflegestelle, aber Snacks für zwischendurch geben die Eltern mit.

Warum sind Sie so lange dabei geblieben?

Die Arbeit macht Spaß, und die Finanzierung ist sicherer als früher. Es gibt einen entsprechenden Bedarf, die Nachfrage ist groß.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft dieses Berufes?

Dass es so familiär bleibt, damit es keine Institution wird. Die Rolle des Tagesvaters/der Tagesmutter sollte nach meiner Meinung bleiben und keine Erzieherrolle werden. Man sollte nicht sagen „mein Sohn geht zum Erzieher, sondern mein Sohn geht zum Tagesvater oder zur Tagesmutter.

Was würden Sie neuen Tagesmüttern und –vätern gerne mit auf den Weg geben?

Nicht so früh aufgeben, auch wenn man sich nicht gleich mit den Eltern versteht.

Für welche Kinder ist die Betreuung durch eine Tagesmutter oder einen Tagesvater besonders geeignet?

Für alle.

Info:
173 Kinder, vorwiegend unter drei Jahren, wurden zum Stichtag 1. März 2021 von Tagesmüttern und Tagesvätern in Weinheim betreut. Die Stadt fördert den kommunalen Ausbau der Kindertagespflege durch Zuschüsse an Tagespflegepersonen sowie begleitende Angebote. Auskünfte erhalten Sie beim Amt für Soziales, Jugend, Familie und Senioren der Stadt Weinheim, Ursula Arnold-Hintenlang Tel.06201/82-472 oder 82-252 , email [email protected]

Zuständig für die Fachberatung, Vermittlung und Qualifizierung von Tagespflegepersonen ist das Jugendamt Rhein-Neckar-Kreis, Frau Tietze Tel.:06221/5226110 ,email [email protected]

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