Randnotizen: Kinderschutz in Heidelberg

Ein starkes Netzwerk interdisziplinärer Unterstützung

 

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Symbolfoto: envato

Kinderschutz in Heidelberg hat einen Namen: „HEIKE“, die Kurzform für Heidelberger Kinderschutz Engagement. Der Name steht bundesweit für ein Modell interdisziplinärer Kooperation zum Schutz von Kindern und Jugendlichen und der frühen Hilfen für Familien. Seit mehr als zehn Jahren und damit lange vor dem Bundeskinderschutzgesetz von 2012 arbeiten Stadt, Universitätsklinikum, niedergelassene Ärzte, Beratungsstellen und viele andere Partner gemeinsam daran. Dieses Netzwerk gilt als beispielgebend für viele Städte in der gesamten Republik. Ziel des Heidelberger Kinderschutz Engagements ist es, Eltern und ihre Kinder von Anfang an und in unterschiedlichen Lebenslagen zu unterstützen. Erfolgreich umgesetzt ist das etwa in der „Anlaufstelle Frühe Hilfen“, einer Kooperation von Stadt und Universitätsklinikum, die 2019 ihr zehnjähriges Bestehen feierte.

 

Eröffnung am 5. September 2019: Childhood-Haus

 

Mit der Eröffnung des Childhood-Hauses am 5. September 2019 in Heidelberg durch Königin Silvia von Schweden erhält das Kinderschutz-Engagement eine herausragende Erweiterung. Unter der Trägerschaft des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg und gefördert durch die Klaus Tschira Stiftung eröffnet hier in der Voßstraße 2 gemeinsam mit der World Childhood Foundation das erste Childhood-Haus in Baden-Württemberg und nach Leipzig das zweite deutschlandweit. Das Childhood-Haus Heidelberg folgt dem Konzept der interdisziplinären Versorgung und rechtlichen Fallabklärung bei Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch oder massiver Gewalt an Kindern. In der Einrichtung können von solcher Gewalt betroffene Kinder Hilfe erfahren und alle für das spätere Ermittlungsverfahren notwendigen Aussagen und Untersuchungen in einer kinderfreundlichen Umgebung und mit speziell geschultem Fachpersonal wahrnehmen. Unter dem Dach des Childhood-Hauses werden Vertreterinnen und Vertreter von Medizin, Kinder- und Jugendamt sowie der Polizei und der Gerichte multi- und interdisziplinär an der Fallabklärung arbeiten.

 

Weitere Hilfen und Unterstützungsangebote in Heidelberg

 

  • Familienbüro in der Plöck 2a

 

Das Familienbüro wurde im Jahr 2013 in den Räumen der Plöck 2a beim Kinder- und Jugendamt mit dem Serviceangebot „Willkommen im Leben! Informationen für Eltern mit Neugeborenen in Heidelberg“ eröffnet. Die Beratung ist ein präventives, niedrigschwelliges Angebot, das von Eltern freiwillig in Anspruch genommen werden kann. Ziel ist es, die Eltern über Unterstützungsmöglichkeiten und Anlaufstellen zu informieren.

 

  • Anlaufstelle Frühe Hilfen

 

Die Anlaufstelle Frühe Hilfen ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Universitätsklinikum Heidelberg und der Stadt Heidelberg. Sie ist angesiedelt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin. Das Projekt startete 2009. Es schlägt eine Brücke zwischen Jugendhilfe und Gesundheitswesen. Damit stehen Eltern mit ihren Kindern schon ab der Zeit der Schwangerschaft Unterstützungsangebote zur Verfügung. Auftrag der Anlaufstelle ist es, Familien durch die sensible Phase der frühen Kindheit zu begleiten und belasteten Familien eine individuell passende Hilfe zu vermitteln. Das reicht bis zur Möglichkeit, Familien eine Familien-Kinderkrankenschwester zu vermitteln. Außerdem berät die Anlaufstelle Kinder- und Frauenärzte zu Fragen des präventiven Kinderschutzes. Die Anlaufstelle hat ihren Sitz im Marsilius Arkaden Turm West, Im Neuenheimer Feld 130.3.

 

  • Eltern-Kind-Gruppen

 

Das Familienbüro in der Plöck 2a bietet mehrere Eltern-Kind-Gruppen an, die den Kontakt zwischen den Eltern und das gemeinsame Spiel zwischen und mit den Kindern ermöglichen sollen. Darüber hinaus treffen sich in den Räumen der Kinder- und Jugendförderung mehrere selbst organisierte muttersprachliche Gruppen. Es gibt eine Vielzahl themenbezogener Eltern-Kind-Angebote, mit Schwerpunkten in den Bereichen Sport/Bewegung, Musik, Elternbildung oder zum Austausch für Eltern in besonderen Lebenslagen.

 

  • Elternbildung

 

Im Rahmen des Landesprogramms „STÄRKE“ zur Förderung von Elternkompetenzen haben Eltern die Möglichkeit, durch entsprechende Kurse elterliche Kompetenzen zu erweitern. Die Umsetzung von STÄRKE wird über die Abteilung Kinder- und Jugendförderung der Stadt Heidelberg koordiniert, die dabei an die vielfältigen Angebote der Stadt, freier Träger und Vereine anknüpft.

 

  • Beratungsangebote

 

In Heidelberg steht für Eltern in der Schwangerschaft, mit Säuglingen oder Kleinkindern ein breit gefächertes Beratungs- und Unterstützungsangebot zur Verfügung, etwa die Beratung für Eltern mit Säuglingen (Schreiambulanz), die Erziehungsberatung oder die Elternberatung an Kitas, die Allgemeine Sozialberatung, die Beratungsstellen für Menschen mit Migrationshintergrund, die Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Psychologische Beratung, die Suchtberatung, die Hilfe bei häuslicher Gewalt und viele andere.

 

  • Heilpädagogische Hilfen und Schulsozialarbeit

 

Um Kinder mit entsprechendem Unterstützungsbedarf zu fördern, bietet die Stadt Heidelberg heilpädagogische Hilfen in Kindertagesstätten an. Heidelberg gilt außerdem als eine der Vorreiterkommunen in der Schulsozialarbeit. Das niederschwellige Jugendhilfeangebot gibt es flächendeckend an allen Schulen.

 

  • Erzieherische Hilfen und Schutzmaßnahmen des Kinder- und Jugendamts

 

Wenn die Ressourcen des Familiensystems, des sozialen Umfeldes und der strukturellen Angebote nicht mehr ausreichen, um eine Erziehung zu gewährleisten, die dem Wohl des Kindes entspricht, besteht für die Sorgeberechtigten ein Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII).

 

Diese Hilfen erhalten Familien vom Jugendamt in Kooperation mit den in der Kinder- und Jugendhilfe tätigen freien Trägern. Die Angebote reichen von der Erziehungsberatung über eine sozialpädagogische Unterstützung in der Familie bis zur Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie oder in einem Heim.

 

Bei Meldungen oder Hinweisen hinsichtlich einer möglichen Kindeswohlgefährdung nimmt das Jugendamt eine Gefährdungseinschätzung vor und leitet bei Bedarf geeignete Hilfsmaßnahmen ein. Kinder und Jugendliche können sich auch selbst an das Jugendamt wenden, wenn sie Probleme haben oder in Notsituationen sind. Besteht eine dringende Gefahr für das Wohl eines Kindes oder Jugendlichen ist das Jugendamt berechtigt und verpflichtet, das Kind oder den Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen. Dies gilt auch, wenn ein Kind oder Jugendlicher selbst um Obhut bittet.

 

Im Jahr 2018 wurden in Heidelberg durch das Kinder- und Jugendamt in 968 Fällen erzieherische Hilfen gewährt, davon 94 in Form von Inobhutnahmen/vorläufigen Schutzmaßnahmen. Heidelberg liegt dabei deutlich unter dem Durchschnitt aller Stadtkreise in Baden-Württemberg. Insgesamt sind beim Heidelberger Kinder- und Jugendamt im letzten Jahr 266 Gefährdungsmeldungen bearbeitet worden. Davon hat sich in etwa zwei Drittel dieser Fälle eine Kindeswohlgefährdung bestätigt.

 

Im interkommunalen Vergleich hatte Heidelberg für Erziehungshilfen mit 346 Euro pro jungem Menschen die zweitniedrigsten Ausgaben aller Städte in Baden-Württemberg. Im Durchschnitt wendeten die Stadtkreise laut Statistik des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg 632 Euro auf – ein Beleg dafür, dass das vorhandene präventive Angebot in Heidelberg greift und Wirkung zeigt.

 

 

 

 

Ergänzend: www.heidelberg.de/fruehe-hilfen

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