Über 1700 Menschen fordern Klimagerechtigkeit – Jetzt! (mit Fotostrecke)

Heidelberg. (zg) Eine Aktivität bei bestem Wetter, an der frischen Luft, bei der die ganze Familie vom Säugling über Teenie bis hin zu Großeltern teilnehmen und dabei auch noch für eine nachhaltige und solidarische Weltgemeinschaft eintreten kann – klingt perfekt, oder? Das dachten sich auch über 1700 Teilnehmende, die am Mittwoch, den 22.05., dem Aufruf des Bündnisses „Klimagerechtigkeit Jetzt!“ zur Großdemonstration „Act for Climate Justice Now!“ gefolgt sind.

Das Bündnis, bestehend aus politischen Gruppen und Einzelpersonen aus dem Rhein-Neckar-Raum, betonte zum Beginn der Demonstration in mehreren Reden die Situation mitteleuropäischer Wälder, die Bedeutung des Kapitalismus für den Klimawandel oder die Wünsche der Schüler*innen von Fridays for Future an die Politik.

Mit den lautstarken Forderungen nach „Systemwandel statt Klimawandel“ machten sich die Demonstrierenden dann bei strahlendem Sonnenschein vom Friedrich-Ebert-Platz auf den Weg zur Stadthalle. Dort wurden den Teilnehmenden der International Conference on Climate Action (ICCA) die Ansprüche der Demonstrierenden in Bezug auf Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Partizipation vorgetragen. Bei guter Stimmung und Musik ließ man die Veranstaltung am Karlsplatz ausklingen.

Die Vorstellungen des Bündnisses sind keineswegs vermessen. Die Gruppe erwartet das Einhalten der bereits vereinbarten Klimaschutz-Zusagen – Deutschlands und Baden-Württembergs selbstgesetzte und ohnehin wenig ambitionierten Ziele werden momentan deutlich verfehlt. Klimagerechtigkeit Jetzt! fordert deshalb gemeinsam mit allen Demonstrierenden eine gesetzliche Verankerung des 1,5° Ziels aus dem Pariser Klimaschutzabkommen sowie die Berücksichtigung von Klimagerechtigkeit als Leitlinie der deutschen, aber auch globalen Klimapolitik.

Nur 0,0413 % beträgt der aktuelle Anteil von Kohlenstoffdioxid in der Luft – warum also der ganze Aufriss? Kohlenstoffdioxid und andere Treibhausgase in der Atmosphäre sorgen dafür, dass sich die Erde aufheizt. Bereits geringe Konzentrationsänderungen an Treibhausgasen können drastische Auswirkungen auf Klima- und Ökosysteme haben. Besonders westliche Industrienationen haben seit der industriellen Revolution den CO2-Gehalt in der Atmosphäre um fast 50% erhöht und damit maßgeblich zu einer durchschnittlichen Erwärmung von bisher 1°C beigetragen und ein Ende ist nicht in Sicht.

Für die Auswirkungen dieses Klimawandels sind jedoch nicht alle Menschen, Regionen und Systeme gleich anfällig. Bei 9 der 10 am meisten durch den Klimawandel betroffenen Länder handelt es sich um sogenannte ärmste Entwicklungsländer. Die dort ökonomisch bedeutsame Landwirtschaft ist durch Extremwetterereignisse und Wasserverknappung besonders gefährdet. Klimawandel führt in diesen Regionen zu verstärkten Ressourcenkonflikten und Flucht. Zusätzlich wirken sich beispielsweise auch Alter und Geschlecht, Klasse und politisches Mitspracherecht auf die Anfälligkeit aus. Ältere Menschen und Kinder sind besonders durch Krankheiten gefährdet und Frauen sind durch geringere Einkommen und Verantwortung für die Versorgung der Familie standortgebundener. Damit sind sie den Auswirkungen von Temperaturerhöhung und Extremwetter stärker ausgesetzt. So sind durch den Klimawandel besonders die Menschen betroffen, die zu seiner Entstehung kaum beigetragen haben. Industrienationen, deren Wohlstand auf der Verbrennung fossiler Energieträger basiert, verursachen den Großteil der globalen Emissionen. Dabei stoßen sie mehr Treibhausgase aus als ihnen zustünden und machen „ökologische Schulden“ bei emissionsarmen Entwicklungsländern.  Diese Ungleichheit kann und muss durch Klimagerechtigkeit gestoppt werden. Als Klimagerechtigkeit bezeichnet man ein ethisch-politisches Konzept, das davon ausgeht, dass jeder Mensch das gleiche Recht hat, die Atmosphäre zu nutzen und Emissionen auszustoßen. Nationen mit hohen Emissionen müssen also für die ökologischen Schulden und deren Folgen in den besonders anfälligen Regionen aufkommen. Sie müssen auch gemäß dem Verursacherprinzip für die letzten Jahrzehnte, in denen sie von der Ausbeutung des Klimas profitierten, einen Ausgleich leisten.

Für verschiedene politische Handlungsebenen hat das Bündnis daher Forderungen erarbeitet, mit denen eine ökologisch und sozial gerechte Klimawende geschafft werden kann.

Diese wurden vor der Demonstration an Svenja Schulze (Bundesumweltministerin), Franz Untersteller (Umweltminister Baden-Württemberg) und Eckart Würzner (Oberbürgermeister Heidelberg) übergeben. Die politischen Vertreter*innen betonten bei der Übergabe, wie wichtig die zahlreiche und laute Unterstützung der Bevölkerung für ihre politische Arbeit sei. Die Presseprecherin des Bündnisses Emma Montseny kommentierte: „Auch wenn aus der Sicht des Bündnisses, von den Politiker*innen Ausflüchte bezüglich des Zeitplans und der aktuellen Ausrichtung der deutschen Klimapolitik vorgebracht wurden, zeigten sie sich trotz inhaltlicher Meinungsverschiedenheiten für einen zukünftigen Austausch bereit.“

Die Klimapolitik ist also noch längst nicht am Ziel angekommen – alle sind gefragt. Für diejenigen, die sich durch die positive und engagierende Stimmung auf der Demonstration animiert fühlen, sich für eine sozial und ökologisch verträgliche Umweltpolitik einzusetzen, veranstaltet das Bündnis am 27.05.2019 um 19:30 Uhr ein Treffen in den Breidenbach Studios (Hebelstraße 18, Heidelberg).

  • 20-minütiges Gespräch
  • Bündnisrede am Karlsplatz
  • An der Stadthalle.
  • Friedrich-Ebert-Platz. Startpunkt.
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