Neue Jugendherberge als Leuchtturm

In Weinheim soll die erste Inklusions-Jugendherberge in Baden-Württemberg entstehen – Stadtverwaltung konnte DJH, Pilgerhaus und Gemeindediakonie zu Partnern machen

Foto zeigt v.l. OB Manuel Just, Uwe Gerbich-Demmer, Jörg Hoppenkamps, Marcus Heisterkamp, Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner

Weinheim. Die Lage bietet sich an: Neben dem Sportzentrum und einem Schulzentrum, das auch Schüler mit Förderbedarf und Inklusionsklassen betreut, nahe der Sportzentren mit physiotherapeutischen Angeboten, an der Bahnlinie der rnv – und in Sichtweite zum Pilgerhaus Weinheim, dem über Weinheim hinaus aktiven Zentrum der Evangelischen Jugend- und Behindertenhilfe.

Dort in der Breslauer Straße soll bis zum Jahr 2025 die erste Inklusive Jugendherberge in der Region und in ganz Baden-Württemberg entstehen, geführt als Inklusionsbetrieb am Standort Weinheim. Dahinter stehen das Pilgerhaus Weinheim, die Gemeindediakonie Mannheim und das Deutsche Jugendherbergswerk Baden-Württemberg (DJH). Die Stadt Weinheim trägt mit dem Erbpachtgrundstück und einer kommunalen Förderung zur Realisierung des Projekts bei. Die Weinheimer Verwaltungsspitze hatte die beiden Partner an einen Tisch gebracht und vernetzt.

Am Montag (15. November) haben die Partner nach zahlreichen internen Gesprächen und einem „Letter of intent“ ihre Ideen, Ziele und Konzepte im Weinheimer Rathaus erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Klar ist: Die neue Inklusive Jugendherberge in Weinheim soll ein Leuchtturmprojekt werden, das über die Region hinaus wahrgenommen wird.

Oberbürgermeister Manuel Just und Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner zeigten sich mit der neuen Entwicklung beim Thema Jugendherberge sehr zufrieden und ermutigten die beiden Partner auf ihrem Weg. Pilgerhaus-Vorstand Uwe Gerbich-Demmer und DJH-Geschäftsführer Jörg Hoppenkamps bekräftigten die Ernsthaftigkeit ihrer gemeinsamen Pläne.

Geplant ist, dass DJH, Gemeindediakonie und Pilgerhaus eine gemeinsame Betreibergesellschaft für einen Inklusionsbetrieb gründen, deren Geschäftszweck der Betrieb einer Jugendherberge ist. Der DJH soll die Rolle als Eigentümer, Investor und Vermieter an die Betreibergesellschaft einnehmen. In dem Inklusionsbetrieb sollen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung und sozialen Nachteilen entstehen. Etwa 30 Arbeitsplätze sollen insgesamt geschaffen werden, etwa die Hälfte für Menschen mit Behinderung.

Die neue Jugendherberge soll 150 bis 180 Übernachtungsplätze haben, dazu einen Gastronomiebetrieb mit Außenbewirtung. Nach einer ersten Schätzung beläuft sich das Investitionsvolumen auf etwa 15 Millionen Euro. Die Kalkulation sieht eine Finanzierung mit Eigenmitteln, Zuschüssen und über Kredite vor.

„Gemeinschaft erleben heißt für das DJH, das soziale Miteinander in unserer Gesellschaft zu stärken – und damit einen nachhaltigen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Auf dieser Basis steht auch unser gemeinsames Projekt hier in Weinheim Das war für uns ebenso entscheidend wie die Tatsache, dass wir vor Ort diese Expertise durch das Pilgerhaus vorgefunden haben“, erklärte DJH-Geschäftsführer Jörg Hoppenkamps. Nach dem ersten Kennenlernen seien die Pläne für die inklusive Ausrichtung der Jugendherberge gereift.

Im norddeutschen DJH Landesverband Unterweser-Ems habe das DJH damit bereits Erfahrungen gemacht, die nun in das Weinheimer Projekt einfließen können. Daher wird das Projekt in Baden-Württemberg auch mitbetreut von DJH-Projektmanager Marcus Heisterkamp; er war schon 2012 der Initiator der bundesweit ersten Inklusiven Jugendherberge in Leer, aktuell zeichnet er sich verantwortlich für vier Inklusionsbetriebe in Norddeutschland.

Die Inklusive Jugendherberge in Weinheim soll die erste dieser Art in Baden-Württemberg werden. Heisterkamp betonte, dass eine Kooperation mit sozialen Einrichtungen ein neues Betreibermodell ist. Er deutete auch an, dass dieses Vorgehen durchaus für weitere Projekte einen Modellcharakter haben könnte.

„Wir blicken auf eine sehr konstruktive und befruchtende Zusammenarbeit zurück und freuen uns auf die Umsetzung“, erklärte Pilgerhaus-Vorstand Uwe Gerbich-Demmer. Die inklusive Ausrichtung soll sich auf den Betriebsablauf und die Belegschaft, aber auch auf die reisende Zielgruppe beziehen. Die Nachfrage nach inklusiven Reisezielen, insbesondere von Gruppen, sei viel höher als das Angebot. Diese Ausgangslage lasse eine gute Bettenauslastung und damit eine Wirtschaftlichkeit erwarten.

OB Just und Dr. Fetzner zeigten sich erfreut über diese Ausrichtung der Jugendherberge. „Das beweist unseren Stellenwert als gastfreundliche und soziale Stadt“, betonte der Oberbürgermeister. Torsten Fetzner warf ein, dass ein Neubau auch eine städtebauliche Aufwertung darstellen werde. Beide erinnerten an lange Diskussionen und Briefwechsel mit dem DJH, nachdem die Jugendherberge eigentlich schon 2017 geschlossen werden sollte. Der damalige Oberbürgermeister Heiner Bernhard und mit der Amtsübernahme OB Manuel Just wollten aber diese Option nicht akzeptieren. Es folgten Monate der Schriftwechsel, Gespräche und verschiedener Lösungsansätze. Im Jahr 2019 nahm die Stadt Weinheim zur Erhaltung der Jugendherberge erstmals 1,5 Millionen Euro in den Haushalt auf; diese Summe wurde bislang immer fortgeschrieben.

Der Durchbruch kam, so erinnern sich die Akteure, mit der Vernetzung von Pilgerhaus und DJH im November 2020. Seither habe man ein gemeinsames Ziel im Blick. „Es war wichtig, dass wir so hartnäckig waren“, fasste OB Just zusammen.

 

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