Zustimmung für den „Trinkerraum“

Gemeinderat beschließt Einrichtung eines alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraums für die Trinker- und Drogenszene in Mannheim
 

Symbolfoto: Marvin Riess

Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat gestern die Einrichtung eines alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraums für die Trinker- und Drogenszene, umgangssprachlich auch als „Trinkerraum“ bezeichnet, beschlossen. Das Angebot soll in Containerbauweise auf dem stadteigenen Gelände in der Akademiestraße im Stadtteil Jungbusch entstehen.
 
Nach wie vor sind in der Mannheimer Innenstadt Angehörige verschiedener Trinker- und Drogenszenen in unterschiedlicher Intensität anzutreffen. Von den Anwohnenden und Gewerbetreibenden wird der Aufenthalt dieser Personengruppen als störend wahrgenommen. Dies wird in den verschiedenen Stadtteilgremien regelmäßig thematisiert, in öffentlichen Verlautbarungen vorgebracht und schlägt sich in anhaltenden Beschwerden bei Polizei und Stadtverwaltung nieder. Insbesondere auch Kinder- und Jugendliche erleben, wie sie bei der Stadtteilversammlung Innenstadt/Jungbusch dargelegt haben, die Örtlichkeiten als Angsträume.
 
Die Betroffenen, an die sich das Angebot richtet, sind gekennzeichnet durch schwere oft mehrfache Abhängigkeitserkrankungen, häufig in Kombination mit weiteren schwerwiegenden Erkrankungen. Sie nutzen die öffentlichen Plätze und Straßen als Aufenthaltsräume und Orte für soziale Begegnung und fallen durch einen massiven Alkoholkonsum auf.
 
„Wir erwarten, dass durch das Angebot nun ein alternativer Aufenthaltsort für die Trinker- und Drogenszene geschaffen wird, an dem Alkoholkonsum toleriert wird, ein direkter Zugang zum Suchthilfesystem gegeben ist und durch dessen Existenz gleichzeitig die belasteten Bereiche in der Innenstadt entlastet werden“, erläutert Gesundheitsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb.
 
Sie betont: „Wir erachten es als dringend notwendig, dieser Zielgruppe ein helfendes Angebot zu machen. Gleichzeitig erachten wir es als geboten, das subjektive Sicherheitsempfinden von Kindern und Jugendlichen, erwachsenen Bürgerinnen und Bürgern sowie Besuchern unserer Stadt zu steigern. Darüber hinaus ist es uns wichtig, mit dem Einrichten eines alkoholakzeptierenden Angebots den berechtigten Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner aber auch des Einzelhandels, des Gewerbes und der Wirtschaft Rechnung zu tragen. Wir freuen uns daher, dass der alkoholakzeptierende Aufenthaltsraum nun in der Akademiestraße eingerichtet werden kann.“
 
Nach 18 Monaten soll das Angebot mit Blick auf seine gesundheits-, sozial- und ordnungspolitische Zielsetzung hin überprüft werden. Auf Grundlage dessen entscheidet der Gemeinderat über die Fortführung des Angebots über 24 Monate hinaus. Der Betrieb wird an den Caritasverband Mannheim sowie den Drogenverein Mannheim übertragen.
 
Der Gemeinderat hatte bereits 2016 die Einrichtung eines solchen Angebots beschlossen. Im Haushalt sind bereits entsprechende Mittel aus dem Jahr 2017 vorhanden. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GBG wird mit der Umsetzung beauftragt. Die Einrichtung des Raums soll spätestens bis Mai 2020 erfolgen.

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