11. Kommunalen Gesundheitskonferenz in Lobbach

Rund 70 Teilnehmende sprechen bei der vom Rhein-Neckar-Kreis und der Stadt Heidelberg veranstalteten 11. Kommunalen Gesundheitskonferenz in Lobbach über Ernährung und psychische Gesundheit

Quelle: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis Rund 70 Teilnehmende begrüßte Doreen Kuss, Dezernentin für Ordnung und Gesundheit des Rhein-Neckar-Kreises, bei der 11. Kommunalen Gesundheitskonferenz in der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach.

Akteure im Gesundheitswesen vernetzen, Kommunen in die Planung und Entscheidungsprozesse gesundheitsförderlicher Maßnahmen einbinden sowie Handlungsempfehlungen für die Bedarfe vor Ort erarbeiten: So lauten die Ziele der gesetzlich verankerten Kommunalen Gesundheitskonferenzen (KGK). In der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach fand nun die elfte Auflage statt – wiederum organisiert von der Geschäftsstelle der KGK aus dem Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises, das auch für die Stadt Heidelberg zuständig ist. Psychische Gesundheit und Ernährung waren diesmal die beiden Hauptthemen der Konferenz, an der unter anderem Ärztinnen und Ärzte, Selbsthilfegruppen, Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge, Vertreter von Krankenhäusern, Pflegeheimen und Kommunen, sowie Kommunalpolitikerinnen und -politiker teilnahmen. Für die Impulsvorträge sorgten mit Professor Dr. Hans Joachim Salize (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim) und Dr. Silke Lichtenstein (Rainer-Wild-Stiftung, Heidelberg) zwei ausgewiesene Experten. Zuvor hatten Doreen Kuss, Dezernentin für Ordnung und Gesundheit des Kreises, sowie Stadtrat Julian Sanwald als Vertreter der Stadt Heidelberg in ihren Grußworten auf die Bedeutung der mentalen Gesundheit gerade in Krisenzeiten hingewiesen.

Professor Salize aus dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim erläuterte, dass das Krankheitsbild psychische Störung weit mehr sei als das Klischee vom „Verrücktsein“. Er sparte nicht mit Kritik am deutschen Gesundheitssystem, welches gerade bei psychischen Erkrankungen darauf ausgelegt sei, dass man erst aktiv werden würde, „wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“. Das Ignorieren psychiatrischer Risiken und das Versäumnis der Versorgung akuter Erkrankungen sei gesellschafts-, sozial- und finanzpolitisch extrem kurzsichtig. „Und es verursacht hohe Folgekosten in anderen gesellschaftlichen Sektoren“, so Professor Salize. Dr. Lichtenstein, Geschäftsführerin der Dr. Rainer Wild-Stiftung und Ernährungswissenschaftlerin, erklärte in ihrem Vortrag, dass Stress als Risikofaktor für Übergewicht wissenschaftlich nicht belegt sei. Ein viel größerer Risikofaktor gerade für Kinder seien hingegen die Eltern, die sich ihrer Vorbildfunktion beim Thema Ernährung nicht immer bewusst wären. „Nutzen Sie die Lebensmittelvielfalt, essen Sie abwechslungsreich, mit Genuss und wählen Sie überwiegend pflanzliche Nahrungsmittel“, gab die Ökotrophologin einen konkreten Tipp.

Mitarbeit in Workshops

Der Nachmittag war interaktiver und praxisorientierter ausgelegt: Die Arbeitsgruppen der KGK, die auch unterjährig aktiv sind, boten Workshops an, in denen gemeinsam weitere Schritte unter Berücksichtigung aktueller Fragestellungen erarbeitet werden sollten. Im Workshop des „Netzwerks Essstörungen“ wurden unter anderem Probleme der Versorgung und Unterbringung essgestörter Personen besprochen, für die es gegenwärtig weder für Jugendliche, noch für Erwachsene im Rhein-Neckar-Kreis und der Stadt Heidelberg Wohngruppen gibt, die dringend erforderlich wären.

Im Workshop „Essen – nachhaltig gut für alle“ wurde erörtert, welch hohen Stellenwert die Gemeinschaftsverpflegung für Kinder und ältere Menschen hat – gleichzeitig bietet sich hier ein großes Potenzial, was die Reduktion der Lebensmittelverschwendung betrifft. Supermärkte in der Region arbeiten bereits recht gut mit den Tafeln zusammen, Gemeinschaftseinrichtungen sind dagegen bislang außen vor, was zu Unmengen verschwendeter Lebensmittel führt. In einem anderen Raum wurde der Ist-und Soll-Zustand von Erste-Hilfe-Maßnahmen an Schulen verglichen und die Möglichkeiten der Einbeziehung des Schulsozialdienstes besprochen Zudem wurde diskutiert, inwieweit man Erste-Hilfe-Schulungen auch nutzen könnte, um Umgang mit Mobbing und mentalen Probleme in der Zielgruppe zu adressieren.

Der Workshop „Trinkwasser im öffentlichen Raum“ gewährte bereits einen kleinen Einblick in das kommende Jahr der KGK. Stadtplanerische, hygienische und technische Aspekte von Trinkbrunnen wurden von den Referenten Dr. Joachim Fallmann und Stefan Kramer vorgestellt und mit den Teilnehmenden diskutiert. Neben Trinkbrunnen wurden auch weitere Maßnahmen und Anforderungen zum zukünftigen Umgang mit Hitze und Trockenheit behandelt. Durch die heterogene Zusammensetzung der beiden Arbeitsgruppen konnten viele neue Aspekte zum Thema Trinkwasser im öffentlichen Raum gesammelt werden.

In einer weiteren Workshop-Session wurde passend zum zweiten Hauptthema der diesjährigen Veranstaltung das Projekt „Verrückt? Na und!“ vorgestellt, ein praxisorientiertes Präventionsprogramm zu psychischer Gesundheit. Das Haupthindernis für psychisch erkrankte Menschen ist nämlich die Angst vor Stigmatisierung. An dieser Schlüsselstelle setzt das Konzept an. „In Heidelberg konzentriert man sich derzeit auf den Bereich Schule, um das Thema psychische Krisen besprechbar zu machen. Es gab sehr gute Resonanz auf das Projekt, weil es junge Menschen ermutigt, offen Dinge anzusprechen“, sagt Reinhild Beermann vom Heidelberger Selbsthilfebüro, bei dem die hauptamtliche Begleitung des Programms liegt. Die Finanzierung erfolgt durch die Stadt Heidelberg.

„Nach zwei Jahren, in denen die KGK nur online stattfinden konnte, waren wir dankbar für die Möglichkeit des persönlichen Austauschs mit den Teilnehmenden. Im nächsten Jahr wird „Klimawandel und Gesundheit“ Thema der Kommunalen Gesundheitskonferenz sein. Anders als in den vergangenen Jahren wird es voraussichtlich keine Plenumsveranstaltung geben, stattdessen planen wir verschiedene Zielgruppen-spezifische, bürgernahe Informationsveranstaltungen“, informiert Dr. Melanie Weiß von der KGK-Geschäftsstelle, die im Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises angesiedelt ist. Die Infoveranstaltungen sollen in einem Aktionszeitraum stattfinden, Interessierte über Dinge wie Hitzeschutz bei (Klein-)Kindern oder Trinkwasser im öffentlichen Raum informieren und jeweils offen für verschiedene Zielgruppen (Ärzteschaft, Personal verschiedener Betreuungseinrichtungen wie Kindergärten, Pflegeheime usw.) sein.

Quelle: RNK

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