Bleiben Sie informiert  /  Dienstag, 16. Juni 2026

Informationen von Hier

Termine, Adressen, Vereine,
Lokalpolitik, Berichte und
Wirtschaftsinformationen

Direkt zur Redaktion

[email protected]

Aktuelle Nachrichten und Berichte aus Mannheim und Ludwigshafen

62 Betriebe im Rhein-Neckar-Kreis: „Wildwest-Zustände in der Fleischbranche beenden“

3. September 2020 | Gesellschaft, Gewerbe, Leitartikel, Metropolregion, Politik, Wirtschaft

Appell an Bundestagsabgeordnete

Wer in der Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung von Fleisch arbeitet, macht einen Knochenjob. Die Gewerkschaft NGG ruft Bundestagsabgeordnete aus der Region dazu auf, sich in Berlin gegen Missstände in der Branche einzusetzen.
Foto  NGG

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert Bundestagsabgeordnete aus dem Rhein-Neckar-Kreis auf, in Berlin für das geplante Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischwirtschaft zu stimmen. Corona-Ausbrüche in mehreren Fleischunternehmen hätten gezeigt, wohin die Missstände führen können.

„Für die überwiegend osteuropäischen Beschäftigten in Subunternehmen sind extreme Arbeitsbelastung, Lohn-Prellerei und Unterbringung in abrissreifen Wohnungen seit Jahren an der Tagesordnung. Mit solchen Wildwest-Methoden muss endlich Schluss sein“, fordert Elwis Capece, Geschäftsführer der NGG-Region Mannheim-Heidelberg.

 

Das geplante „Arbeitsschutzkontrollgesetz“ könne die Fleischbranche zugleich stärken: Nach Angaben der Arbeitsagentur sank die Zahl der Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe im Rhein-Neckar-Kreis innerhalb von 20 Jahren um 58 Prozent. Von 146 Betrieben im Jahr 1999 gibt es heute nur noch 62. „Diese Konzentration hat dazu geführt, dass reguläre Stellen verloren gingen und Arbeiten an Subunternehmen ausgelagert wurden – zu prekären Bedingungen“, betont Capece. Die Zahl sozialversicherungspflichtiger Fleisch-Jobs sank laut Arbeitsagentur im Landkreis binnen 20 Jahren um 27 Prozent – während die reguläre Beschäftigung in allen Branchen insgesamt um 32 Prozent zulegte. „Mit Hilfe des neuen Gesetzes müssen nun die Stammbelegschaften wieder aufgebaut und muss die Mitbestimmung gestärkt werden. Das führt zu höheren Löhnen. Sozialabgaben und Steuereinnahmen steigen“, so die NGG.

 

Nach dem Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums sollen ab 1. Januar 2021 Werkverträge und ab 1. April 2021 Leiharbeit in Fleischbetrieben mit mehr als 49 Personen verboten werden. „In den vergangenen Jahren sind alle Versuche gescheitert, die Branche zum Umdenken zu bewegen – weder durch freiwillige Selbstverpflichtungen und selbst mit dem Gesetz zur Sicherung von Arbeitnehmerrechten in der Fleischwirtschaft nicht. Das Verbot ist überfällig“, so Capece.

 

Der Gewerkschafter warnt jedoch vor Tricksereien. Unternehmen dürften nicht versuchen, das Gesetz durch neu gegründete Tochtergesellschaften oder andere Schlupflöcher zu umgehen: „Vom Schlachten bis zum Verpacken – alle Arbeitsschritte in der Fleischproduktion müssen von Beschäftigten erledigt werden, die direkt beim Unternehmen angestellt sind.“ Das Gesetz zum Verbot von Leiharbeit und Werkvertrag sei der erste Schritt. „Und dann brauchen wir als zweiten Schritt einen Tarifvertrag, der für alle Beschäftigten in den rund 7.700 Unternehmen der Branche gute Löhne und faire Arbeitsbedingungen absichert. Wir sind gespannt, ob die Unternehmen hierzu ernsthaft bereit sind.“

 

Das Argument von Lobbyverbänden, die Fleischbranche sei auf Werkverträge und Leiharbeit angewiesen, um Auftragsspitzen etwa zur Grillsaison abzufedern, überzeuge nicht. „Möglich wären beispielsweise auch befristete Arbeitsverträge. Besser noch: Arbeitszeiten lassen sich per Tarifvertrag und Arbeitszeitkonten regeln – wie das auch in anderen Bereichen der Lebensmittelbranche seit langem üblich ist“, so Capece.

 

Das könnte Sie auch interessieren…

Ausstellung „Gegen das Vergessen“ – Fotografien von Luigi Toscano

Ausstellung „Gegen das Vergessen“ erneut in Schwetzingen Mit der Ausstellung „Gegen das Vergessen“ kehren die eindrucksvollen Fotografien des international renommierten Fotografen und Filmemachers Luigi Toscano nach Schwetzingen zurück. Vom 26. Juni bis 10. Juli 2026...

Überholmanöver auf der BAB 659 endet in Kollision

Unfall auf der A659 bei Weinheim – BMW-Fahrer verliert Kontrolle über Fahrzeug Auf der A659 in Fahrtrichtung Mannheim ereignete sich am Freitagnachmittag gegen 13 Uhr kurz hinter dem Autobahnkreuz Weinheim ein Verkehrsunfall mit erheblichem Sachschaden. Nach...

Mannheim gewinnt Award „New Mobility City 2026“

Mannheim als „New Mobility City 2026“ ausgezeichnet Die Stadt Mannheim ist mit dem neu vergebenen TÜV-Award „New Mobility City 2026“ in der Kategorie „Metropolräume“ ausgezeichnet worden. Der Preis würdigt Städte, die Mobilität zukunftsorientiert, sicher und...

Hier könnte Ihr Link stehen

Mannheim – Veranstaltungen / Gewerbe

MaNa informiert

Werbung

Hier könnte Ihr Link stehen

Themen

Zeitreise

MaNa informiert