Alistair Hudson wird neuer wissenschaftlich-künstlerischer Vorstand am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe

Alistair Hudson übernimmt am 1. April 2023 die Position des wissenschaftlich-künstlerischen Leiters des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Das hat der Stiftungsrat am Montag beschlossen. Der 53-jährige Brite tritt die Nachfolge von Prof. Peter Weibel an, der das ZKM seit 1999 leitet. Zu den Aufgaben des wissenschaftlich-künstlerischen Vorstands gehören insbesondere die wissenschaftlich-künstlerische Leitung sowie die konzeptionelle Entwicklung und strategische Ausrichtung der Stiftung. 

Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister und Stiftungsratsvorsitzender, sagte am Montag in Karlsruhe: „In der aktuellen Zeit der globalen Krisen mit dramatischen gesellschaftlichen und technologischen Umbrüchen braucht es neue Konzepte und Visionen für die Gestaltung der Zukunft. Ich bin davon überzeugt, dass       Alistair Hudson die richtige Person für die Neuausrichtung des ZKM ist. Er versteht Kunst als soziales Werkzeug und Ausgangspunkt für den gesellschaftlichen Wandel. Er will das ZKM als gesellschaftlich relevante, international bedeutende Institution weiterentwickeln und gleichzeitig vor Ort die Öffnung und Vermittlung des Hauses für alle Menschen der Stadtgesellschaft aktiv befördern.“ Dr. Frank Mentrup war Leiter der vom Stiftungsrat eingesetzten Findungskommission.

Petra Olschowski MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, sagte: „Alistair Hudson ist ein international ausgewiesener Kurator und erfahrener Museumsleiter. Überzeugt haben uns sein großer Sachverstand auf dem Gebiet der zeitgenössischen und digitalen Kunst, seine Sensibilität für künstlerische und gesellschaftliche Entwicklungen und sein ganzheitliches Verständnis von Kunst, Wissenschaft und Technologie als Treiber sozialer Innovation und Teilhabe. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es Alistair Hudson mit seiner langjährigen Leitungserfahrung und seiner integrativen Art gelingen wird, die am ZKM vorhandene hohe Kompetenz in all diesen Felder zu bündeln und zu einem Ganzen zu verbinden.“

Alistair Hudson sagte: „Es ist mir eine große Ehre, diese Rolle am ZKM übernehmen zu dürfen. Das ZKM hat sich als eine der führenden Kultureinrichtungen der Welt etabliert. Ich sehe es als eines der bedeutendsten Zentren der Künste und der Wissenschaften, das neue Horizonte erschließt, während sich die Welt mit exponentieller Geschwindigkeit verändert. Deshalb reizt es mich, die Arbeit von Peter Weibel fortzusetzen und einen Ort zu schaffen, an dem die Welt neu gedacht wird. Ich stelle mir das ZKM als Mittelpunkt und Gravitationszentrum für ethische Diskurse vor, die die Entwicklung menschlichen Handelns einerseits und nicht-menschlichen Handelns mit künstlicher Intelligenz andererseits beeinflussen könnten. Ich sehe eine Zukunft für das ZKM darin, dass es sich weiter zu einer zentralen Stimme im internationalen Diskurs darüber entwickelt, wohin wir als Gesellschaft in einem Zeitalter des exponentiellen Wandels gehen, und wie wir die Ethik und Ästhetik einer Zukunft kalibrieren, die wir noch nicht kennen. Dazu gehört, dass sich die Institution mehr und mehr für neue Netzwerke, Gemeinschaften, Partnerschaften und Fachwissen öffnet.“

Zur Person: Alistair Hudson

Alistair Hudson ist ein erfahrener, international tätiger Kurator und Museumsleiter, der eine zeitaktuelle kuratorische Expertise in Verbindung mit einem fundierten Wissen zu den Medienkünsten mitbringt. Seit 2018 leitet er als Direktor zwei Museen in Manchester: die städtische Manchester Art Gallery sowie The Whitworth, das Museum der Universität Manchester mit kunst- und kulturhistorischen Sammlungen aller Gattungen.

Mit seinem Konzept des useful museum versteht Alistair Hudson Kunst- und Kulturinstitutionen als Orte für gesellschaftliche Verantwortung und Veränderung und definiert künstlerische und kuratorische Praxis als soziale Praxis. Gemeinsam mit der Künstlerin Tania Bruguera leitet Hudson die Asociación de Arte Útil, ein internationales, wachsendes Netzwerk, dem weitere Institutionen, etwa das Van Abbemuseum in Eindhoven und das FRAC Poitou-Charentes, angeschlossen sind.

Hudson ist Mitglied einer Vielzahl von Gremien. Unter anderm ist er Jurymitglied des Turner Prize und Mitglied des Auswahlgremiums für den Britischen Pavillon der Biennale von Venedig 2021.Nach seinem Kunstgeschichtsstudium begann er 1994 bei der renommierten Anthony d’Offay Gallery in London. Von 2000 an war er als Kurator für die Sammlung der Goverment Art Collection zuständig, wo er ein vertieftes Verständnis für die Rolle öffentlicher Sammlungen erwarb. Weitere wichtige Erfahrungen gewann Alistair Hudson in seiner Funktion als Vizedirektor von Grizedale Arts, einer Kunstinstitution im Lake District im ländlichen Nordwesten Englands (ab 2004), sowie von 2014 an als Direktor des Middlesbrough Institute of Modern Art, einem Museum mit einer hervorragenden Sammlung vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Beiden Institutionen verhalf er mit seinem Programm zu großer öffentlicher Aufmerksamkeit.

Eine Debatte löste im vergangenen Jahr eine Arbeit der britische Rechercheagentur Forensic Architecture (London) aus, die Alistair Hudson in The Whitworth zeigte. Die Installation „Cloud Studies“, die sich den Auswirkungen staatlicher Gewalt auf ökologische Systeme in der Welt, inklusive Standorten in Beirut, Louisiana und Palästina widmet, war im Auftrag des ZKM für die Ausstellung „Critical Zones. Horizonte einer neuen Erdpolitik“ entwickelt worden, die von Mai 2020 bis Januar 2021 in Karlsruhe gezeigt wurde. Die Arbeit „Cloud Studies“ wurde neben dem ZKM auch in der UTS Gallery Sydney präsentiert; aktuell ist sie im Rahmen der Berlin Biennale in der Akademie der Künste ausgestellt. In England legte die Organisation U.K. Lawyers For Israel öffentlich Einspruch gegen die Präsentation in Manchester ein. Mit breiter Unterstützung aus der Kulturszene suchte Alistair Hudson das Gespräch mit verschiedenen Parteien und ergänzte das umstrittene Exponat um Texte von Vertretern beider Positionen. 

 

Obwohl Alistair Hudson seine bisherigen beruflichen Stationen in England durchlief, versteht er sich zutiefst als Europäer, der von europäischer Kultur- und Philosophiegeschichte geprägt ist und nicht zuletzt mit einer Vielzahl europäischer und internationaler Institutionen zusammenarbeitet. Ein Großteil seiner Methodik wurzelt in der Beziehung zwischen Kultur, Gesellschaft, Politik und technischem Fortschritt – ursprünglich im britischen Kontext von industrieller Revolution und Empire, heute vor allem in der Auseinandersetzung mit unserer digitalisierten Lebenswelt.

Quelle: Wissenschaftsministerium BW

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