Ludwigshafen: VHS startet Ende August ins zweite Semester – Mehr als 100 Jahre alt und doch am Puls der Zeit

Symbolfoto: envato

Ludwigshafen. Das Herbstsemester der Volkshochschulen in Deutschland steht im Jubiläumsjahr „100 Jahre Volkshochschulen“ des Deutschen Volkshochschulverbandes unter dem Motto „zusammenleben.zusammenhalten“. Die Volkshochschule (VHS) Ludwigshafen, die sogar älter als 100 Jahre ist, schließt sich Jubiläum und Motto an und bietet im neuen Semester unter anderem Vorträge und Kurse mit geschichtlichen Rückblicken und zu demokratischen Prozessen an. Gleichzeitig gibt es natürlich auch neue Programmpunkte in allen Fachbereichen und am Freitag, 20. September 2019, lädt das Team der VHS zur „Langen Nacht der Volkshochschulen“ Bürger*innen jeden Alters zum Ausprobieren, Mitmachen und Miterleben in die VHS ein.

 

Bei der „Langen Nacht der Volkshochschulen“, die an diesem Tag bundesweit stattfindet, können Gäste der VHS ab 18 Uhr in mehr als 40 Kursangebote schnuppern. Höhepunkte der Veranstaltung sind ein Vortrag von Holger Volland zu seinem Buch „Die kreative Macht der Maschinen – Warum künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken“, eine Aufführung des Ludwigshafener Improvisationstheaters „Wer, wenn nicht 4“ und eine musikalische Reise durch 100 Jahre Jazzgeschichte in der „Jazzlounge“ zum Ausklang des Abends mit dem Tobias Frohnhöfer Quartett. Juliane Krohn, Fachbereichsleiterin für den Bereich „Gesundes Leben“, empfiehlt den Teilnehmenden, bequeme Kleidung zu tragen, da man auch zahlreiche Bewegungsangebote wie Yoga, Pilates und Taiji austesten kann.

 

Eröffnet wird während der „Langen Nacht der Volkshochschulen“ auch die Fotoausstellung des Vereins Photoart 67 „100 Jahre und noch mehr“. Das VHS-Gebäude wird dabei fotografisch in Szene gesetzt. In Kooperation mit dem Verein bietet die VHS auch im zweiten Semester 2019 wieder spannende Fotografiekurse an, wie beispielsweise Fotografieren zur „blauen Stunde“ (also dem Übergang von Tag zu Nacht, während dem der Himmel dunkelblau gefärbt ist).

 

Ein neues Angebot der VHS zur Stärkung politischer Urteils- und Handlungskompetenzen richtet sich an Schulklassen. In interaktiven Workshops geht es im Modul „Politische Meinungsbildung im Internet“ darum, Fake News und Hate Speech zu erkennen und zu melden, im Modul „Gemeinsam.Gesellschaft.Gestalten“ darum, Stereotype und Vorurteile abzubauen und im Modul „Democracy first!? Was bedeutet uns Demokratie?“ um die Förderung einer positiven Einstellung zur Demokratie.

 

Wie erlebten Deutsche aus Ost und West den Mauerfall zwischen den beiden deutschen Staaten und wie war das Leben in der DDR? Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls beleuchtet der Fotografiker und Autor Siegfried Wittenburg mit beeindruckenden Fotos und Erzählungen das Leben und den Alltag in der DDR als ein „Leben in der Utopie“ von den 1950er Jahren bis zur friedlichen, freiheitlichen und demokratischen Revolution 1989. Anschließend berichtet Sozialdezernentin

 

Beate Steeg von ihren privaten und beruflichen Erfahrungen mit der DDR und dem Mauerfall.

 

„Diese Angebote unserer VHS sind mir besonders wichtig“, sagt VHS-Leiterin Stefanie Indefrey, „denn unsere Aufgabe, durch Bildungsangebote das Wissen zu unserem politischen System zu vermitteln, sodass die Menschen ein demokratisches Bewusstsein entwickeln und stärken können, ist 100 Jahre nach Beginn der ersten deutschen Republik, fast 75 Jahre nach der Zeit des Nationalsozialismus und 30 Jahre nach dem Ende der DDR offenbar wieder von großer Bedeutung. Niemals dürfen wir vergessen, wozu Ausgrenzung, Hass und Krieg in unserem Land bereits geführt haben.“

 

Die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges sind größtenteils nicht mehr da. Nun richtet sich der Fokus der Historikerinnen und Historiker auf die erste Nachkriegsgeneration. Unter ihnen sind auch die sogenannten Besatzungskinder. Allein in der Französischen Besatzungszone gibt es mindestens 20.000. Viele von ihnen wussten immer um ihre Herkunft, viele entdeckten sie erst nach dem Tod der Eltern. Im Vortrag „Kriegskinder und Besatzungskinder – Forschungen und Schicksale“ von Dr. Michael Martin, dem ehemaligen Leiter des Stadtarchivs Landau, kommen sie in Kooperation mit Frau und Kultur e.V. zu Wort.

 

Um Erfahrungen mit den USA als neue Heimat geht es in dem Vortrag in Kooperation mit Frau und Kultur e.V. „Ihr kennt eich kein begrif machen wis in Amerika ist…“ Thema des Vortrags ist das Leben zigtausender pfälzischer Auswandernden, die, wie die Vorfahren des US-amerikanischen Präsidenten Trump, in Übersee eine neue Heimat suchten. Aus Briefen, die sie aus den USA an Verwandte oder Freunde in Deutschland geschrieben haben, trägt Roland Paul, ehemaliger Direktor des Instituts für Pfälzische Geschichte und Volkskunde Kaiserslautern, ihre Geschichten zusammen.

 

Um neue und fremde Kulturen richtig kennen- und verstehen zu lernen, ist es wichtig, die Sprache des Landes zu sprechen. Die VHS bietet daher neue Anfängerkurse in der Weltsprache Englisch genauso an wie in den Sprachen der Nachbarländer Frankreich, Italien und Polen und der Urlaubsländer Spanien, Griechenland, Türkei, Bulgarien und Rumänien sowie in den Sprachen Arabisch, Thailändisch und Chinesisch.

 

International geht es auch in den Kochkursen zu. Der Schwerpunkt liegt im kommenden Programm auf indischer, japanischer, russischer und peruanischer Küche. Die bei uns noch recht unbekannte peruanische Küche, die von der UNESCO bereits als Weltkulturerbe anerkannt ist, kann auch bei der „Langen Nacht der Volkshochschulen“ in einem Schnupperkurs ausprobiert werden.

 

Im Kulturprogramm der VHS werden erstmalig Kurse in afrikanischem Trommeln, ein Workshop in Improvisationstheater und „Ufo-Sessions“ mit experimenteller Klangkunst im kulTurm angeboten.

 

Ganz neu im Programm und mit guten Chancen, dass die Krankenkassen die Kursgebühr übernehmen, ist das „Rauchfrei-Programm zur Tabakentwöhnung nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und neuesten therapeutischen Techniken“. Die Kursleiterin ist von der Zentralstelle für Prävention anerkannt.

 

Beim „Waldbaden (Shinrin Yoku“) einer seit Jahren in Japan anerkannten Präventionsmethode für mehr Gelassenheit, Wohlgefühl und Lebensfreude, erleben Teilnehmende zum Beispiel auf Schlenderpfaden im Maudacher Bruch auf eine ganz besondere Art und Weise die Natur kennen. Die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldbadens wurde mittlerweile in zahlreichen Studien nachgewiesen.

 

Einen ganz anderen, nämlich eher wirtschaftlichen Umgang mit der Natur vermittelt der neue „Motorsägenkurs für Brennholzselbstwerber“ im Bereich der gewerblichen und beruflichen Schulungen an der VHS. In diesem Bereich gibt es unter anderem auch eine Schulung zum Brandschutzhelfenden, einen Online-Lehrgang zur Ausbildereignungsprüfung und die Qualifizierung für Kindertagespflegepersonen.

 

Für Jugendliche und junge Erwachsene gibt es Kurse unter der Rubrik „Junge VHS“. In Ferienkursen vermitteln erfahrene Kursleiter*innen „PowerPoint für Schüler*innen“, „10-Finger-Tastschreiben“ und „Word 2016 zur Formatierung von Studienarbeiten“.

 

Ganz neu bietet die VHS im Bereich Schulabschlüsse ab
9. September 2019 einen Abendrealschullehrgang mit Online-Lernphasen von zuhause aus an, der in nur eineinhalb Jahren zum Realschulabschluss führt. Auch im neuen Hauptschulkurs sind noch Plätze frei für Menschen, die bis März 2020 ihren Hauptschulabschluss nachholen möchten.

 

Mit „Update-Mathe – damit Gleichungen kein Buch mit sieben Siegeln bleiben!“ bereitet ein kreativer Mathekurs (in Kooperation mit der Stadtbibliothek) in den Herbstferien auf die gymnasiale Oberstufe vor. Die Teilnehmenden lernen die wichtigsten Grundlagen zum Lösen von linearen und quadratischen Gleichungen und entwickeln dann in Teams ein eigenes Escape-Game mit mathematischen Rätselaufgaben. Ein zweites Team dreht ein Mathe-Erklärvideo zu den wichtigsten mathematischen Grundlagen.

 

Für junge Menschen bis 25 Jahre, die noch keinen Ausbildungsplatz haben und beruflich nach Orientierung und spannenden Qualifizierungsmöglichkeiten suchen, startet ab September das kostenfreie Projekt „Sieben Schritte zum Job“, das von der Globus-Stiftung gefördert wird. Neu im Bereich Grundbildung ist die Reihe „Neues kennen lernen, sehen und verstehen – inklusive Bildungsfahrten für Menschen mit und ohne Behinderung“. Am 22. Oktober findet die erste Fahrt mit Führung durch das Wasserwerk der TWL in Oggersheim statt.

Als Beitrag für das neu gegründete Alfa-Bündnis Rhein-Neckar bietet die VHS eine „Alfa-Berater-Schulung“ an. Diese soll Menschen in Schlüsselpositionen in Ämtern und Betrieben für das Thema funktionaler Analphabetismus sensibilisieren und Beratungskompetenzen in diesem Bereich vermitteln.

 

 

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