„… mit glühenden Kugeln. Die Revolution 1848/49 in Ludwigshafen“

Mit der Sonderausstellung „… mit glühenden Kugeln. Die Revolution 1848/49 in Ludwigshafen“ startet das Stadtmuseum im Rathaus-Center am 4. September, 18 Uhr, ins zweite Halbjahr. Das gemeinsame Projekt von Stadtarchiv und Stadtmuseum widmet sich der Situation Ludwigshafens im Zuge der Badischen Revolution und des Pfälzer Aufstandes im Zeitraum 1848 bis 1849. Ziel war die Errichtung einer Republik. Die damit einher gegangenen Aktionen wurden unter Führung der Preußischen Truppen jedoch brutal niedergeschlagen. Teil der Auseinandersetzung war auch das „Gefecht von Ludwigshafen“ im Juni 1849. Zu sehen ist die Ausstellung vom 5. September bis 21. Dezember 2019.

Bei einem Pressegespräch am 2. September 2019 erläuterten der Leiter des Bereichs Kultur der Stadt, Dietrich Skibelski, Museumsleiterin Dr. Regina Heilmann und Dr. Klaus-Jürgen Becker, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs, das Ausstellungskonzept und die geplanten Veranstaltungen.

„170 Jahre nach dem zunächst gescheiterten Kampf um die Errichtung einer Deutschen Republik, dem der Wunsch nach einer Etablierung der Staatsform Demokratie inne wohnte, nehmen Stadtarchiv und Stadtmuseum das „Gefecht von Ludwigshafen“ zum Anlass, auf dieses hohe Gut aufmerksam zu machen. In Zeiten, die Anlass zur Sorge geben, dass diese große Errungenschaft, die verfassungsmäßige Verankerung unserer heutigen Rechte, in ihrer ursprünglichen Intention nicht mehr von allen eingeordnet werden kann, es zunehmend zu Umdeutungen historischer Fakten kommt und vor allem der Wert des so mühsam Erreichten nicht mehr ausreichend gewürdigt scheint, möchte die Ausstellung im Jahr 2019 ein Zeichen setzen, unsere Demokratie zu wahren und zu verteidigen“, so Skibelski.

Die junge Siedlung Ludwigshafen mit einem damals schon eigenen Polizeibezirk zählte um 1848/49 mit etwa 800 Einwohnerinnen und Einwohnern bereits zu den strategisch wichtigen Punkten in der Pfalz. Dies lag nicht zuletzt am gerade erbauten Endpunkt der Pfälzischen Eisenbahn, dem wirtschaftlich ausbaufähigen Hafen sowie der Lage gegenüber der Stadt Mannheim. Viele Freischärler wurden während des Pfälzer Aufstands, dessen eigentliches Zentrum Kaiserslautern war, in Ludwigshafen einquartiert. Gegen sie gab es Drohungen; Geiselnahmen und Verhaftungen folgten. Es wurde eine Bürgerwehr für die Siedlung und ihre Umgebung organisiert. Vom 15. bis zum 18. Juni 1849 fanden dann das sogenannte Gefecht von Ludwigshafen und die darauf folgende Kanonade statt: Ludwigshafen wurde durch Vorstöße der Preußischen Armee sowie von Granaten der aufständischen badischen Artillerie und dadurch ausgelöste Brände stark beschädigt. Viele Gebäude sind zudem geplündert worden. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und die alte Ordnung wieder hergestellt. Einige der Aufständischen kamen ins Zuchthaus oder entgingen ihren Verurteilungen durch Flucht. Schließlich übernahm der Bayerische Staat die Kosten für den Wiederaufbau der Siedlung, die bald einen rasanten Aufstieg als Industriestadt erlebte.

Die Ausstellung führt in die historischen Zusammenhänge ein und widmet sich dann den Ereignissen in Ludwigshafen. Informative Texte, vielfältige Exponate, originales Bildmaterial und -Dokumente, Seh- und Hörstationen bieten einen verständlichen Einblick in das Geschehen und die politischen Ziele im Jahr 1849. Zur Eröffnung am 4. September spricht Bürgermeisterin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg. Dr. Regina Heilmann führt in die Ausstellung ein, Dr. Klaus-Jürgen Becker stellt das Begleitprogramm vor.

Zur Ausstellung bieten Stadtmuseum und Stadtarchiv kostenlose öffentliche Führungen an. Die Termine in den ersten beiden Monaten sind am Samstag, 14. September, um 14 Uhr, Samstag, 21. September, um 14 Uhr sowie Mittwoch, 2. Oktober, um 18 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Führungen für Schulklassen und Gruppen ab sechs Personen sind nach Terminabsprache möglich. Interessierte können sich unter Telefon 0621504-2580 ans Stadtmuseum wenden.

Informationen zur Ausstellung gibt es im Internet auf www.ludwigshafen.de/stadtmuseum. Das Stadtmuseum ist geöffnet von Mittwoch bis Samstag von 10 bis 17 Uhr und bei Sonderveranstaltungen. Der Besuch des Stadtmuseums und aller Angebote im Begleitprogramm ist frei.

Begleitprogramm für September und Oktober

Vortrag am Samstag, 14. September, um 15 Uhr:

„Auf der andern Rheinseite, in Ludwigshafen, trat uns die Bewegung in einer viel heitereren Gestalt entgegen.“

Am 15. Juni 1849 besetzte das I. Armeekorps von Preußen nach einem Gefecht von zwei Stunden Ludwigshafen. Im Vortrag werden sowohl die Vorgeschichte als auch die Folgen dieser militärischen Episode aus der Reichsverfassungskampagne 1849 erläutert und insbesondere wird auch auf die ökonomische Situation Ludwigshafens vor seiner Erhebung zur Stadt eingegangen. Dabei werden zahlreiche historische Bilder vorgeführt und Zitate aus der zeitgenössischen Literatur wiedergegeben.

Stadthistoriker Dr. Klaus-Jürgen Becker vertieft mit seinem zentralen Vortrag die in der Ausstellung präsentierten Themen und ordnet sie in den historischen Gesamtzusammenhang rund um das Revolutionsgeschehen der Jahre 1848/49 ein.

Referent ist Dr. Klaus-Jürgen Becker, Stadthistoriker und stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Ludwigshafen.

Vortrag am Samstag, 21. September, um 15 Uhr

„Sind Frauen politikfähig? Männliche Phantasien von 1848 bis 1919“

Als das revolutionäre Parlament 1848 in der Paulskirche in Frankfurt die Menschen- und Bürgerrechte für die geplante demokratische deutsche Monarchie entwarf, schrieben
die Parlamentarier in das Wahlgesetz: „Wähler ist jeder unbescholtene Deutsche, der das fünfundzwanzigste Lebensjahr zurückgelegt hat.“ Der Ausschluss des weiblichen Geschlechts aus dem Wahlrecht war damals
so selbstverständlich, dass die Herren nicht einmal explizit formulieren mussten, dass mit „Jeder“ nur Männer gemeint waren. Politisch aktive Frauen waren verdächtig, keine „richtigen“ und anständigen Frauen zu sein. Die Abwehrbastion hielt sich lange. Noch 1918, wenige Monate vor der Novemberrevolution, formulierten die Parlamentarier in den deutschen Parlamenten seitenlange Begründungen, warum sich Frauen nicht für die Politik eignen. Der Vortrag schlägt den langen Bogen von der Revolution

1848 bis zur Einführung des Frauenstimmrechts und der halbherzigen Verankerung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung von Frauen in der Verfassung 1919.

Referentin ist Prof. Dr. Sylvia Schraut, Professorin für Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr München.

Liederabend am Mittwoch, 2. Oktober, um 19 Uhr

„Unser die Welt – trotz alledem“ – ein Liederabend mit Bernd Köhler und Laurent Leroi

In den 1970er-Jahren wurde Bernd Köhler durch Auftritte als politischer Liedermacher unter dem Namen „Schlauch“ bundesweit bekannt. Er trat nicht nur auf den großen Liederfestivals dieser Zeit auf, er unterstützte mit seiner Kunst auch immer konkrete politische oder gewerkschaftliche Aktionen. Mit seinen aktuellen Programmen setzt er diese Tradition fort. Eigens für die Ausstellung präsentiert der gebürtige Ludwigshafener Bernd Köhler am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit sein Musikprogramm „Unser die Welt – trotz alledem“. Der Titel bezieht sich auf ein vertontes Gedicht des deutschen Lyrikers und Übersetzers Ferdinand Freiligrath (1810-1876). Zum Konzert am 2. Oktober im Stadtmuseum Ludwigshafen wird Bernd Köhler von Akkordeonist Laurent Leroi begleitet, mit dem er auch in der Formation „ewo2 – das kleine elektronische weltorchester” zusammenarbeitet. Ein Abend voller Lieder rund um die Revolution von 1848/49 mit besonderem Blick auf die vorderpfälzischen Ereignisse.

 

Kinderferienprogramm

Workshop am Mittwoch, 9. Oktober, 15 bis 17 Uhr

Was hat der Wunsch nach Demokratie mit uns heute noch zu tun? Eine ganze Menge! Im 19. Jahrhundert haben sich viele Menschen in Deutschland dafür eingesetzt, dass die Menschen demokratisch leben dürfen – ungeachtet von Herkunft, Interessen oder Vermögensverhältnissen. Im Workshop werden die Teilnehmer*innen zunächst die Ausstellung besichtigen. Danach tauchen sie in das Jahr 1832 ein: Nahe Ludwigshafen veranstalteten tausende Menschen auf dem Hambacher Schloss ein Fest, um sich für die Staatsform Demokratie stark zu machen. Auch die daraus hervor gegangene Revolution 1848/49 und den damit verbundenen „Pfälzer Aufstand“ werden besprochen. Dieser wurde seitens des Adels und dessen Soldaten brutal niedergeschlagen. Heute gibt es in Deutschland eine Demokratie und die schwarz-rot-goldene Fahne ist sogar die von damals. Zum Schluss finden die Kinder gemeinsam heraus, was diese Farben genau bedeuten – und wie sie danach leben können. Der Workshop ist geeignet für Kinder von acht bis zwölf Jahren; es gibt maximal zwölf Plätze. Die Teilnahme ist kostenlos. Materialien werden gestellt. Eine Anmeldung ist möglich bis zum 5. Oktober unter der E-Mail-Adresse: [email protected] oder telefonisch während der Öffnungszeiten unter Telefon: 0621 504-2574.

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