Kostbares Schmuckstück „Filigranscheibenfibel“ aus der Merowingerzeit in der Stadtbibliothek
„Museum frei Haus“ präsentiert im Oktober die Rekonstruktion einer vierpassförmigen Filigranscheibenfibel
Schwetzingen. Ein kleines Schmuckstück führt weit zurück in die Geschichte Schwetzingens: Das „Objekt des Monats“ im Oktober ist die Rekonstruktion einer kostbaren, vierpassförmigen Filigranscheibenfibel aus der Merowingerzeit. Das Original stammt aus einem frühmittelalterlichen Gräberfeld in Schwetzingen und befindet sich heute in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim.
Der Fund wurde in einem Bereich zwischen Lindenstraße und Maschinenweg gemacht, wo zahlreiche mittelalterliche Gräber entdeckt wurden. Das ehemalige Gräberfeld liegt heute mitten im Stadtgebiet und nur wenige Schritte von der Stadtbibliothek entfernt. Dort ist nun die Rekonstruktion der Fibel im Rahmen von „Museum frei Haus“ zu sehen.
Die Fibel stammt aus Grab 5/1966, in dem eine Frau bestattet wurde, die vermutlich zur gesellschaftlichen Oberschicht gehörte. Wie andere Frauen ihres Standes in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts brachte sie ihren christlichen Glauben unter anderem durch ihre Tracht zum Ausdruck. Zu ihren Schmuckstücken gehörte die goldene, kreuzförmig gestaltete und verzierte Filigranscheibenfibel.
Das Original besteht aus Bronze, Goldblech und Silbernieten und ist mit farbigen Glaseinlagen verziert. Die kostbaren Materialien und die aufwendige Verarbeitung zeugen von der hohen gesellschaftlichen Stellung ihrer Trägerin und von der handwerklichen Kunstfertigkeit der Merowingerzeit.
Zu sehen ist in Schwetzingen allerdings nicht das rund 1.400 Jahre alte Original, sondern eine detailgetreue Rekonstruktion. Der Archäotechniker Frank Trommer fertigte sie aus Messing und Glas an und orientierte sich dabei an zeitgenössischen Herstellungstechniken. So lässt sich anschaulich nachvollziehen, mit welchem handwerklichen Können solche Schmuckstücke einst hergestellt wurden.
Die Filigranscheibenfibel verbindet damit Geschichte und Gegenwart auf besondere Weise. Ihr ursprünglicher Fundort zwischen Lindenstraße und Maschinenweg liegt heute nur einen Steinwurf von der Stadtbibliothek entfernt. Ein kleines Schmuckstück erzählt so von einer Frau aus der gesellschaftlichen Oberschicht, ihrem Glauben und dem Leben im Schwetzingen des 6. und 7. Jahrhunderts.
Das „Objekt des Monats“ ist in der Stadtbibliothek Schwetzingen zu sehen. Die Kooperation von „Museum frei Haus“ und Bibliothek bringt historische Objekte aus dem Stadtmuseum während dessen Schließung direkt in den Alltag der Menschen – zentral, kostenfrei und für alle zugänglich.
Unter dem Motto „Museum frei Haus – Kultur da, wo Du bist“ werden spannende Objekte, Aktionen und Geschichten an verschiedenen öffentlichen Orten, auf Märkten und in Schulen präsentiert. Geschichte soll damit nicht nur im Museum stattfinden, sondern mitten im Leben erlebbar bleiben.
Mehr Informationen und aktuelle Veranstaltungen unter: https://www.visit-schwetzingen.de/museum-frei-haus
Fotonachweis: Stadt Schwetzingen, Foto: Tobias Schwerdt.










