Die Stabsstelle Integration informiert: Vier Jahre Bildungskoordination für Neuzugewanderte im Rhein-Neckar-Kreis

Im November 2016 begann die Bildungskoordination für Neuzugewanderte in der Stabsstelle Integration des Landratsamts Rhein-Neckar-Kreis mit Elena Albrecht, Dr. Rolf Hackenbroch und Reinhard Mitschke ihre Arbeit. Mit der Förderung der drei Stellen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung wurden die Aufgabenschwerpunkte klar umrissen: Eine Vernetzung von Bildungsakteurinnen und -akteuren der 54 Kreiskommunen unterstützen, Transparenz über vorhandene Bildungsangebote herstellen und auf Grundlage erkannter Bedarfe zusätzliche Bildungsangebote initiieren. „Das Thema Bildung ist sehr komplex und zugleich für jede und jeden richtungsweisend. Viele Neuzugewanderten brauchen neben der sprachlichen Unterstützung weitergehende Angebote im Bereich Bildung. Hier Bedarfe zu erkennen und koordinierend vorzugehen, das war und ist eine besonders wichtige Aufgabe“, so Landrat Stefan Dallinger.

 

Entscheidend sind häufig nicht zuletzt die intensiven Kontakte mit Arbeitskreisen des Haupt- und Ehrenamtes in der Integrationsarbeit. Zahlreiche kommunale und regionale Arbeitskreise, Koordinierungskreise und Runde Tische wurden in vier Jahren von der Bildungskoordination des Rhein-Neckar-Kreises besucht, begleitet und unterstützt: Kreisweite und regionale Arbeitskreise mit Integrationsmanagement und Integrationsbeauftragten, Runde Tische zum Thema Integration in unterschiedlichen Gemeinden und auch Fachgruppentreffen zum Thema Übergang in Ausbildung und Arbeit. Alle diese Treffen dienen dazu, eine möglichst gut aufeinander abgestimmte Bildungslandschaft aufrecht zu erhalten und verschiedene Akteurinnen und Akteure zu unterstützen.

 

Dabei sind die drei Kolleginnen und Kollegen jeweils für unterschiedliche Gebiete des Rhein-Neckar-Kreises zuständig und haben sich auch inhaltlich individuelle Schwerpunkte gesetzt. „Die enge Zusammenarbeit in unserem Team ist eine unserer großen Stärken“, sind sich die Bildungskoordinatorin und -koordinatoren einig und ergänzen: „So konnten wir innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums schon eine Fülle an Projekten erfolgreich an den Start bringen.“

 

Schwerpunkt Arbeitsmarktintegration

Ganz konkret wurde in den letzten vier Jahren an verschiedenen Standorten und in unterschiedlichen Bildungsbereichen gearbeitet. Viele Projekte sind zudem in Zusammenarbeit mit einzelnen Kreiskommunen entstanden. Also großes Beispiel ist hier die Lern-Praxis-Werkstatt für Weinheim und den nördlichen Rhein-Neckar-Kreis zu nennen, ein Kooperationsprojekt der Stadt Weinheim und des Landratsamts. Hier erfahren die Teilnehmenden unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft oder dem Aufenthaltsstatus Begleitung auf ihrem Weg in Ausbildung, Arbeit und in die demokratische Zivilgesellschaft. Für den östlichen Rhein-Neckar-Kreis befindet sich gerade ein vergleichbares Projekt am Standort Sinsheim im Aufbau. Beteiligte Partner sind hier das Stift Sunnisheim, die Stadt Sinsheim und das Landratsamt.

 

Ebenfalls in den Bereich Arbeitsmarktintegration fallen die Informationsveranstaltungen „Fit for Work“, an denen auch die Ehrenamtsbeauftragte des Kreises beteiligt war. In Leimen und Neckargemünd erhielten Neuzugewanderte und Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe 2018 bzw. 2020 Informationen über Angebote der Arbeitsmarktintegration direkt aus erster Hand von den zahlreichen Anbietern und konnten an einem Bewerbungsparcours teilnehmen.

 

Weiterhin gab es eine erfolgreiche Initiative des Teams der Bildungskoordination, um mit verschiedenen Kooperationspartnern „Netzwerktreffen zur Fachkräftesicherung“ durchzuführen. Die Veranstaltungsreihe wurde bereits 2017 gestartet und wird aktuell in Zusammenarbeit mit der Metropolregion Rhein-Neckar weiterentwickelt. Hier treffen sich Unternehmerinnen und Unternehmer verschiedener Standorte im Landkreis, um Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung zusammen mit den zentralen Akteuren der Arbeitsmarktintegration zu erörtern und relevante Informationen zu gezielten Unterstützungsmaßnahmen zu erhalten.

 

Doch auch abseits der Arbeitsmarktintegration ist die Bildungskoordination aktiv: So wurde beispielsweise in der kulturellen Bildungsmaßnahme „gemeinsam kre(a)ktiv“ in Eberbach Theater gespielt, musiziert und gesungen, um Jugendliche unterschiedlichen Alters und Nationalitäten zusammenzubringen – aktuell sogar in virtuellem Format.

 

Digitale Bildungs- und Integrationsarbeit

Die Nähe zur Bevölkerung, die Einbeziehung von Zielgruppen in Maßnahmenplanungen, aber auch die interne Vernetzung mit dem Eigenbetrieb Bau, Vermögen und Informationstechnik ermöglichten bereits früh die Entstehung mehrerer digitaler Lösungen. So ging aus der gemeinsamen Arbeit die Bildungs- und Beratungsdatenbank für Neuzugewanderte (BuBDa) hervor. Hier können Interessierte Bildungs- und Beratungsangebote für die 54 Kreiskommunen nach Altersgruppe und Bildungsbereich abrufen. Gemeinsam mit den kommunalen Integrationsbeauftragten werden so Informationen über lokale Angebote von Bildungsträgern und Ehrenamtlichen, aber auch überregionale Angebote von kreisweiten Anbietern zugänglich gemacht.

 

Mit der Mobilen Biografie (MoBio) folgte die zweite digitale Lösung, die über den Pakt für Integration vom Land Baden-Württemberg gefördert wurde. MoBio dient als Bildungsportfolio, in das alle persönlichen Unterlagen, die für eine erfolgreiche Integration in das Bildungssystem und für den Arbeitsmarktzugang wichtig sind, eingestellt werden können und so gesammelt und strukturiert vorliegen. Darüber hinaus ermöglicht MoBio dem Integrationsmanagement in den Kommunen und der Sozialen Beratung des Landratsamts die Erstellung von Integrationsplänen und die Begleitung und Dokumentation der Beratungsgespräche.

 

Ebenfalls vom Land Baden-Württemberg gefördert wird ein Tool zur digitalen Sprachkurskoordination, das im Frühjahr 2021 fertiggestellt werden soll. Durch die Digitalisierung der Sprachkursanmeldung und -planung soll der Prozess für alle Beteiligten vereinfacht werden. Ein Ziel ist es außerdem, noch stärker auf die individuellen Bedürfnisse bestimmter Zielgruppen einzugehen und spezielle Sprachkursformate zu planen. Bei Bedarf können sich Interessierte künftig selbstständig zu Sprachkursen anmelden, was einen wichtigen Beitrag zum Empowerment leistet.

 

Zukünftige Ausweitung der Bildungsarbeit

„Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen in den letzten Jahren bei Neuzugewanderten, vor allem geflüchteten Menschen. Integration kann aber nur gelingen, wenn alle Menschen, die entsprechende Bedarfe und Interessen haben, unsere Angebote in Anspruch nehmen können. Das haben wir 2018 schon so in unserem Integrationskonzept festgeschrieben. Unsere große Aufgabe in der Bildungskoordination ist es daher nun, umfassender zu planen und gegebenenfalls auch mit neuen Partnern zusammenzuarbeiten,“ erklärt Dr. Anne Kathrin Wenk, Leiterin der Stabsstelle Integration und Integrationsbeauftragte des Landratsamts mit Blick auf die Zukunft. Und auch Elena Albrecht, Dr. Rolf Hackenbroch und Reinhard Mitschke haben schon zahlreiche Ideen erarbeitet, mit denen sie dieses große Ziel erreichen können: „Wenn wir zurückschauen, können wir uns nur bei den vielen Kooperationspartnern für die tolle Zusammenarbeit bedanken. Zugleich stimmt uns diese Erfahrung sehr optimistisch, wenn wir an die zukünftige Integrations- und Bildungsarbeit denken. Gemeinsam wurde hier für den Rhein-Neckar-Kreis unglaublich viel erreicht.“

 

Wer sich über die Arbeit der Bildungskoordination informieren möchte: www.rhein-neckar-kreis.de/integration

 

Bildunterschrift:

Dr. Rolf Hackenbroch, Elena Albrecht und Reinhard Mitschke sind die drei Bildungskoordinatoren innerhalb der Stabstelle Integration im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis.

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