Großübung in Heidelberg: Feuerwehr und Kliniken testen neues Konzept für Tunnelbrände
Mehr als 40 Verletzte, dichter Rauch und ein brennendes Auto im Schlossbergtunnel: Dieses Szenario bildete die Grundlage einer groß angelegten Übung am Donnerstagabend, 8. Oktober 2026. Rund 200 Einsatzkräfte sowie etwa 70 weitere Beteiligte trainierten gemeinsam die Rettung von Verletzten und die medizinische Versorgung nach einem schweren Tunnelbrand. Dabei wurde erstmals das überarbeitete Tunnelbrandkonzept der Feuerwehr Heidelberg unter realitätsnahen Bedingungen erprobt.
An der Übung beteiligt waren neben der Feuerwehr Heidelberg unter anderem das Polizeipräsidium Mannheim, Rettungsdienste, das Technische Hilfswerk (THW), die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv), das Universitätsklinikum Heidelberg und das St. Josefskrankenhaus Heidelberg. Auch Feuerwehrkräfte aus umliegenden Kommunen wirkten mit. Der Schlossbergtunnel war für die mehrstündige Übung gesperrt.
Neues Konzept bewährt sich im Praxistest
Ausgangspunkt des Szenarios war ein Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einem Kleintransporter in der Tunnelmitte. Das Auto geriet in Brand, mehrere Fahrzeuge und ein Bus befanden sich im Tunnel. Zahlreiche Menschen mussten gerettet und medizinisch versorgt werden.
Ein Feuersimulator stellte das brennende Fahrzeug dar, leistungsstarke Rauchgeneratoren sorgten für realistischen Brandrauch. Übungsdarstellerinnen und -darsteller simulierten Verletzte, flüchtende Personen sowie Menschen, die in ihren Fahrzeugen eingeschlossen waren.
Die Feuerwehr musste zunächst die Brandstelle lokalisieren und das Feuer bekämpfen, um eine weitere Verrauchung des Tunnels zu verhindern. Parallel suchten Einsatzkräfte die Fahrzeuge ab, retteten Betroffene und übergaben sie an den Rettungsdienst. Anschließend wurden die Verletzten erstversorgt, registriert und auf die beteiligten Kliniken verteilt.
Feuerwehrkommandant Heiko Holler zog eine positive Bilanz: „Das neue Konzept hat sich absolut bewährt: Wir haben gemeinsam mit den weiteren beteiligten Einsatzkräften, Rettungsdiensten und Kliniken bewiesen, dass wir in Heidelberg gut aufgestellt und vorbereitet sind für den Ernstfall eines möglichen Tunnelbrandes.“
Die Einsatzplanung war in den vergangenen anderthalb Jahren umfassend überarbeitet worden. Dabei orientierte sich die Feuerwehr an aktuellen Einsatztaktiken. Einsatzkräfte wurden zudem an der International Fire Academy im schweizerischen Balsthal theoretisch und praktisch für Einsätze in Tunnelanlagen geschult. Ihr Wissen gaben sie anschließend intern weiter.
Die Übungsergebnisse sollen nun systematisch ausgewertet werden. Ziel ist es, insbesondere die Zusammenarbeit und die Abläufe an den Schnittstellen zwischen den beteiligten Organisationen weiter zu verbessern.
Kliniken trainieren Versorgung vieler Verletzter
Parallel zum Tunneleinsatz übten das Universitätsklinikum Heidelberg und das St. Josefskrankenhaus die Aufnahme und Behandlung zahlreicher Verletzter. Ein solcher „Massenanfall von Verletzten“ – kurz MANV – stellt Krankenhäuser vor besondere organisatorische und medizinische Herausforderungen.
Beide Kliniken verfügen über eigene Alarm- und Einsatzpläne für solche Situationen. Diese regeln, wie kurzfristig zusätzliche Behandlungskapazitäten geschaffen, weitere Teams alarmiert und Patientinnen und Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen gesichtet und den geeigneten Versorgungsbereichen zugewiesen werden.
Durch die gemeinsame Übung konnten auch diese Abläufe unter möglichst realistischen Bedingungen getestet werden. Professor Markus Weigand, stellvertretender Vorstand Medizin am Standort Heidelberg im Verbund der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim, hob besonders die Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen hervor.
„Gemeinsam ist es uns gelungen, ein sehr realistisches Übungsszenario zu schaffen, von dem alle Beteiligten wertvolle Erkenntnisse für den Ernstfall mitnehmen können“, sagte Weigand. Sein Dank galt auch den zahlreichen Freiwilligen, die sich bis in die späten Abendstunden an der Übung beteiligten.
Die Großübung sollte nicht nur die Einsatzbereitschaft der einzelnen Organisationen überprüfen, sondern vor allem das koordinierte Vorgehen von Feuerwehr, Rettungsdienst und Kliniken stärken. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die weitere Verbesserung der Einsatzabläufe einfließen.









