Wenn die „Viel-F-Alter“ Pflege brauchen

Die Helen-Keller-Schule bildet auch für „Kultursensible Altenpflege“ aus – Infos am Sonntag beim Demenztag

Weinheim. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wird in den nächsten Jahren der Anteil der Patienten und Bewohner aus anderen Kulturkreisen stark zunehmen. Dies liegt daran, dass der größte Teil der Migranten zwischen Mitte der 1950er und Anfang der 1970er Jahre nach Deutschland eingewandert ist. Mittlerweile ist diese erste Generation sogenannter „Gastarbeiter“ in einem Alter, in dem Pflegebedürftigkeit eine größere Rolle spielt. Es ist ein Thema, mit dem sich die Akteure des Pflegesystems aktuell intensiv beschäftigen: Die kultursensible Pflege. Beim Weinheimer Demenztag am Sonntag, 21. Oktober, werden um circa 15.15 Uhr Schülerinnen und Lehrerinnen der Helen-Keller berichten, wie sie in ihrer Ausbildung diese Entwicklung berücksichtigen. Zuständig sind die Lehrkräfte Annette Mütze-Bopp und Karin Wolber.

Denn fest steht: Der Anteil der Pflegeheimbewohner und ambulant versorgten Menschen mit Migrationshintergrund wird weiter steigen. 2014 lebten in Deutschland 1,4 Millionen ausländische Senioren. Eine aktuelle Prognose geht von einer Verdopplung auf 2,8 Millionen bis zum Jahr 2030 aus.

Doch was bedeutet dies für die Pflege? In Überlegungen und Konzepten dazu wird meist von „kultursensibler Pflege“ gesprochen. Dies bedeutet, dass diese Menschen, so wie alle anderen auch, sich eine Pflege wünschen, die ihre kulturelle Identität berücksichtigt. Will man „kultursensibel“ pflegen, müssen also alle Bestandteile des kulturellen Lebens berücksichtigt werden: Religionsausübung, Freizeitaktivitäten, Essen und so weiter. In zunehmendem Maße gibt es in all diesen Bereichen kulturspezifische Angebote zumindest für die größten Migrantengruppen in Deutschland.

Andererseits haben viele der Auszubildenden in der Altenpflege einen Migrationshintergrund, so auch in der Abteilung Altenpflege der Helen-Keller-Schule. Ziel des Projektes ist es, diese kulturelle und sprachliche Vielfalt der Auszubildenden für die Kommunikation mit Menschen in Pflege- und Betreuungssituationen und deren Angehörige zu nutzen.

Derzeit werden entsprechende Ressourcen von staatlicher Seite nicht zur Verfügung gestellt. Deshalb erscheint eine zivilgesellschaftliche Unterstützung sinnvoll und notwendig. Karola Marg vom Pflegestützpunkt Weinheim hat eine langfristige Kooperation zwischen der Helen-Keller-Schule und dem Pflegestützpunkt angeregt. Das könnte so aussehen: Die Auszubildenden mit Migrationshintergrund vor allem des zweiten und dritten Ausbildungsjahres, sollen künftig dem Pflegestützpunkt bei Bedarf zur Verfügung stehen, um mit ihren sprachlichen und kulturellen Kompetenzen die Hilfesuchenden zu unterstützen. Das Projekt ist Ausgangspunkt, um ein langfristiges Netzwerk entstehen zu lassen. Ziel ist es, dass in Weinheim und Umgebung eine sprach- und kultursensible Fachberatung für alt werdende Menschen mit Migrationshintergrund angeboten werden kann.

Die Bürgerstiftung Weinheim und der Fördervereins der Helen-Keller-Schule Weinheim haben für das Projekt bereits Förderzusagen gegeben; eine weitere Stiftung ist angefragt.

Quelle Stadt Weinheim

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