Beim vierten Mannheimer Treffen des internationalen Wirtschaftsnetzwerks kamen rund 25 Unternehmer, Selbstständige, Angestellte und Studierende zusammen. Was sie verbindet, sind Metal und Punk – gesprochen wurde allerdings vor allem über unternehmerische Herausforderungen, neue Geschäftsideen und den Wert des eigenen Know-hows.
Bandshirt statt Businesshemd, Metal statt Hintergrundmusik – und trotzdem geht es um Kunden, Investitionen, Innovation und Unternehmensentwicklung. Der Metal Business Club Mannheim zeigt, dass professionelles Networking auch anders funktionieren kann. Beim Chapter Meeting am 24. August kamen rund 25 Teilnehmer aus Mannheim und der Region zusammen. Darunter waren Unternehmerinnen und Unternehmer, Selbstständige, Angestellte sowie internationale Studierende. Auch das Verhältnis von Frauen und Männern war nahezu ausgeglichen. Was zunächst wie ein ungewöhnliches Freizeitformat klingt, hat einen klaren wirtschaftlichen Anspruch. Das verbindende Element des Clubs ist die gemeinsame Leidenschaft für Metal, Punk und verwandte Musikrichtungen. Die gemeinsame musikalische Identität erleichtert dabei den Einstieg ins Gespräch – die unternehmerischen Themen geben dem Netzwerk seine Richtung. Chapterleiterin Katja Ehmke sieht darin eine Stärke des Konzepts: Menschen sollen sich nicht erst an die Erwartungen eines klassischen Wirtschaftsnetzwerks anpassen müssen, bevor sie miteinander ins Gespräch kommen. Damit schließt der Metal Business Club eine Lücke für Menschen, die sich in traditionellen Business-Netzwerken nicht immer wiederfinden. Persönlicher Stil und professioneller Anspruch werden nicht als Gegensatz verstanden.

Konkrete Probleme gemeinsam lösen
Dass es dabei nicht nur um Musik und Kontakte geht, zeigte das Programm des Abends. Nach der Begrüßung stellten sich die Teilnehmer in Ein-Minuten-Pitches vor. Dabei blieb bewusst Zeit für Rückfragen und direkte Anknüpfungspunkte. Anschließend wurde eine konkrete Unternehmerfrage in die Gruppe gegeben: Welche zusätzlichen Dienstleistungen könnte eine Ergotherapiepraxis entwickeln? Statt eines einzelnen Expertenrats sammelten die Teilnehmer gemeinsam neue Ansätze und Perspektiven. Ein weiterer Programmpunkt widmete sich dem Investitionsabzugsbetrag und der Frage, wie Unternehmer ihn sinnvoll für geplante Investitionen einsetzen können. Ergänzt wurde das Treffen durch Konzert- und Musiktipps, Hinweise auf kommende Veranstaltungen des Metal Business Club und ausreichend Zeit für persönliches Networking.
„Rock Your Idea“: Was ist ein Unternehmen wirklich wert?
Den Themenvortrag des Abends hielt der Mannheimer Unternehmer, Erfinder und Experte für Intellectual Property Ricardo Cali. Unter dem Titel „Rock Your Idea – Mach dein Geschäfts-Know-how unschlagbar“ beschäftigte er sich mit einer Frage, die gerade kleine Unternehmen und Selbstständige häufig unterschätzen: Was ist eigentlich der wertvollste Bestandteil des eigenen Geschäfts? Maschinen, Computer oder Büroausstattung seien sichtbar und leicht zu bewerten. Der langfristige wirtschaftliche Wert eines Unternehmens entstehe jedoch häufig an anderer Stelle: durch Wissen, Prozesse, Daten, Reputation, Kundenbeziehungen und neue Ideen. Für den Metal Business Club entwickelte Cali deshalb ein eigenes Modell, das diese Überlegungen in fünf praktische Schritte übersetzt: das M.E.T.A.L.-Framework.
M steht für Marktwert erkennen. Unternehmer sollen zunächst verstehen, welches Wissen, welche Erfahrungen und welche immateriellen Werte ihr Geschäft besonders machen.
E steht für Erfassen. Gute Ideen entstehen häufig spontan. Wer sie nicht unmittelbar dokumentiert, verliert einen erheblichen Teil davon wieder. Cali bezeichnet diese einfache Gewohnheit als „Schmetterlings-Falle“.
T steht für Testen. Statt sich auf Zustimmung von Freunden, Kollegen oder Familie zu verlassen, sollen Ideen mit kleinen Experimenten möglichst früh am tatsächlichen Markt überprüft werden.
A steht für Absichern. Hat eine Idee oder ein Geschäftsbestandteil einen nachweisbaren Wert, stellt sich die Frage nach dem passenden Schutz. Je nach Fall können dafür Marken, Designs, Urheberrechte, Geschäftsgeheimnisse, Patente oder Gebrauchsmuster relevant sein.
L steht für Loslegen. Aus einzelnen Ideen soll schließlich ein kontinuierlicher Prozess entstehen. Cali empfiehlt dafür eine einfache Routine: Ideen täglich erfassen, regelmäßig strukturieren und mindestens einmal im Monat bewusst auf ihr geschäftliches Potenzial überprüfen.
Schutz von Ideen muss nicht teuer beginnen
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf den Unterstützungsangeboten für Unternehmen in Baden-Württemberg. Gerade bei Patenten und anderen Schutzrechten schrecken kleinere Unternehmen häufig vor vermeintlich hohen Einstiegskosten zurück. Dabei existieren öffentliche Beratungs- und Förderangebote. Cali verwies unter anderem auf den Patentcoach Baden-Württemberg, der Unternehmen eine kostenfreie Erstorientierung zu Intellectual Property ermöglicht. Auch Programme wie WIPANO oder der SME Fund des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) können – abhängig von den jeweils geltenden Förderbedingungen – einen Teil der Kosten für Schutzrechte und deren wirtschaftliche Nutzung übernehmen. Die Botschaft des Vortrags: Nicht jede Idee muss patentiert werden. Unternehmen sollten aber wissen, welche Werte sie besitzen und welche davon es sich lohnt, systematisch weiterzuentwickeln und zu schützen.

Metal als gemeinsamer Nenner
Genau hier überschneiden sich die Inhalte des Vortrags mit dem Selbstverständnis des Metal Business Club. Metal und Punk stehen traditionell für Individualität und eine gewisse Distanz zu Konventionen. Im Mannheimer Chapter wird diese Haltung auf das Wirtschaftsleben übertragen: Kreative und ungewöhnliche Lösungswege sind ausdrücklich erwünscht. Der Club versteht sich deshalb nicht als Gegenentwurf zu professionellem Networking, sondern als andere Form davon. Die gemeinsame Musik sorgt für einen niedrigschwelligen Zugang. Danach geht es um dieselben Fragen, die auch andere Unternehmer beschäftigen: Wie gewinne ich Kunden? Wie entwickle ich mein Angebot weiter? Wie investiere ich sinnvoll? Wie schütze ich mein Wissen? Und wie wird aus einer Idee ein funktionierendes Geschäft? Die regulären Chapter Meetings dauern rund 150 Minuten. Im Anschluss bleibt Zeit für informelle Gespräche und Networking.
Die Teilnahme ist kostenlos. Teilnehmer bezahlen lediglich ihre eigenen Getränke.
Quelle: Metal Business Club Mannheim










